28.06.2010

Themenreihe Berufsbild

Berufsbilder im Kulturbereich

Projektmanager und freischaffender Künstler

In dieser Serie stellen wir in Interviewform Fach- und Führungskräfte aus den verschiedenen Berufsbildern des Kulturmanagements vor. Heute: Klaus Kerstinger, Projektmanager und freischaffender Künstler.

Themenreihe Berufsbild

KMN: Können Sie uns Ihre wichtigsten beruflichen Stationen beschreiben? Welche haben Sie auf besondere Weise geprägt?

Klaus Kerstinger:
Der Entschluss sich mit Kunst zu beschäftigen, der Prozess des Schaffens als Künstler, als Produzierender in jungen Jahren auf der einen Seite und auf der anderen Seite 7 Jahre danach eine Galerie mit 2 Freunden zu eröffnen waren sehr prägend. Die Galerie für junge Nachwuchskünstler leitete ich als Partner 3 1/2 Jahre lang und danach widmete ich mich wieder ausnahmslos 4 Jahre lang meiner Tätigkeit als freischaffender Künstler. Der Entschluss zum Postgraduate Studium "Kultur & Organisation" am Institut für Kulturkonzepte ließ die alte Liebe zum Kulturmanager wieder aufkeimen. Ich suchte mir nebst diesem Studium und meiner Tätigkeit als freischaffender Künstler eine neue Herausforderung im Kulturmanagementbereich und fand diese in der Brunnenpassage, ein KunstSozialRaum der Caritas Wien. Dort arbeitete ich 1 Jahr lang als freier Mitarbeiter, als Kunst und Kulturvermittler, als Projektmanager und als Zuständiger der Öffentlichkeitsarbeit. Diese Einrichtung war zu diesem Zeitpunkt noch sehr jung und es war ein einmaliges Erlebnis an etwas für mich besonderen mitzuarbeiten und etwas aufzubauen.

KMN:
Welche Aufgaben fallen in Ihren derzeitigen Tätigkeitsbereich? Welche erfüllen Sie dabei mit besonderer Freude?

Klaus Kerstinger:
Im Moment arbeite ich nebst meiner Tätigkeit als freischaffender Künstler als Kulturmanager auf Projektbasis vor allem im Bereich Presse und Öffentlichkeitsarbeit. Mein letztes Projekt war eine Produktion zwischen postmodern und Hochkultur, wo ich bei einem 3 tätigem Theaterfestival die Presse und das Marketing über hatte. Kunst bedeutet immer Kommunikation. Daher lassen sich im Moment meine Tätigkeitsbereiche sehr schön verbinden.

KMN:
Welche Aspekte Ihrer Ausbildung waren für Ihre berufliche Laufbahn hilfreich? In welchen Bereichen müssten Hochschulen in ihrem Ausbildungsprogramm nachjustieren?

Klaus Kerstinger:
Das Studium an der Kunstakademie wurde bei mir von den StudentInnen geprägt. Vor allem in der künstlerischen Ausbildung. Der Postgraduate Lehrgang zum Kulturmanager ebenso. Die Erfahrungswerte von anderen KollegInnen begleiten mich eigentlich stets durch meine berufliche Laufbahn hindurch. Ein wichtiger Aspekt in der Kunst ist der Bezug zur Wirtschaft. Dieser Sektor wird seit einigen Jahren sehr prolongiert, sollte nicht auf halbem Weg erdursten und nur gewissen Sparten vorbehalten sein. Was die Hochschulen angeht möchte ich mir keinen erhobenen Zeigefinger erlauben. Was jedoch in der Ausbildung nicht vergessen werden sollte ist, dass ein/eine KünstlerIn eine Ich-AG ist und nebst der Kreativität das wirtschaftliche Know-How dazugehört ohne dass in der Ausbildung der Prozess an sich als kreativer Faktor verloren geht. Ein Verständnis der Kommunikation und des Dialoges unter den verschieden Kunstdisziplinen gehört überarbeitet und verschoben. Vielleicht kann auch eine neue Ästhetik gefunden werden und feststehende Regeln durchbrochen und neue Normen gefunden werden. In einem gesicherten Hafen wie in einer Ausbildungsstätte könnte dies möglich sein. Eine Auflösung von bestehenden Strukturen und deren Identitäten.

KMN:
Gab es Situationen in Ihrer Karriere, in denen Sie das Gefühl hatten, das Ziel nicht mehr zu erreichen? Welchen Rat können Sie jungen KulturmanagerInnen in solchen Situationen mit
auf den Weg geben?

Klaus Kerstinger:
Selbstverständlich, solche Gefühlswelten vor der Angst des Scheiterns gehören dazu und können auch Motor sein um einen gewissen Selbsterhaltungstrieb anzuspornen. Eine Selbstzufriedenheit ist fehl am Platz, wird auch selten erreicht. Ein Kämpfen, ein sich Bemühen und Strampeln gehören zur Grundausstattung der/ des Jeweiligen. Der Markt ist klein, die Konkurrenz ist groß und der Kampf um Aufmerksamkeit und vielleicht auch Einzigartigkeit noch größer. Ein langer Atem, eine Zielstrebigkeit und ein/ ein verständnisvolle PartnerIn sind schon die halbe Miete.

KMN:
Geben Sie dem Nachwuchs Hoffung! Gibt es eine Begebenheit, eine kurze Anekdote, bei der Sie heute noch kopfschüttelnd denken Was habe ich mir damals bloß dabei gedacht?!

Klaus Kerstinger:
Hoffnung zu geben steht mir nicht zu. Die einzigen Erfahrungswerte welche ich sehr gern weitergebe ist die Erkenntnis, die jeweiligen Ideen und Projekte mit Freunden, Bekannten mit dem jeweiligen Netzwerk zu teilen. Symbiosen zu bilden und Kräfte zu bündeln, lautet die Devise und nicht im stillen kleinen Kämmerlein vor sich dasitzen und die Ideen und die Kreativität zerdenken. Mit Leuten diskutieren, sich zeigen und offen sein. Ein Vertrauen schaffen. Einen Austausch zulassen und Neugierde entfachen. Eine bestimmte Anekdote fällt mir jetzt nicht ein. Jedoch zu Galeriezeiten waren ein bestimmter Partner und ich vor allem bei Sponsorengesprächen ein eingeschworenes Team. Das Spiel Badcop Goodcop beherrschten wir perfekt und verkörperten dies auch sehr sicher. Mit diesem Vertrauen in die eigene, jedoch noch viel wichtiger in die Fähigkeiten von jeweiligen KollegInnen ist man viel stärker als allein und kann tolle Pitsches an Land ziehen. Loslassen können und z. B. das Gespräch oder die Projektleitung wem anderen zu überlassen, aus der Hand zu geben sind wichtige Erfolgsfaktoren.
 

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