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28. Mai 2017

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Bücher

Zur Relevanz empirischer Kulturpublikumsforschung. Einführung in das Handbuch Kulturpublikum

Wer genau gehört eigentlich zum Kulturpublikum? Und was wollen die verschiedenen Zielgruppen? Mit diesen Fragen beschäftigen sich immer mehr Kultureinrichtungen und oft benötigen sie Hilfe, bei der Annäherung an das Thema oder in der Beratung, Fortbildung und Ausführung. Das in Kürze erscheinende „Handbuch Kulturpublikum“ bietet einen ersten umfassenden und systematischen Überblick zum Thema Kulturpublikum.

Ein wesentlicher Impuls für die kulturpolitische und kulturmanageriale Auseinandersetzung mit dem Kulturpublikum ging im Jahr 2005 vom Bundeskongress der Kulturpolitischen Gesellschaft mit dem Thema „publikum. macht.kultur“ aus. Seit dieser Tagung ist das Kulturpublikum zu einem der zentralen Themen von Kulturpolitik, Kulturmanagement und Kultureller Bildung geworden. Belege hierfür sind weitere Tagungen, wie zum Beispiel die 6. Jahrestagung des Fachverbands für Kulturmanagement im Jahr 2012 mit dem Titel „Zukunft Kulturpublikum – Neue Beteiligungsformen und interaktive Kulturwahrnehmung“. Zugleich entstand auch eine Vielzahl an Publikationen, die sich mit Besucherorientierung, mit Möglichkeiten der Kundenbindung, mit Audience Development bzw. – im nächsten Schritt – Community Building, mit der neuen kulturpolitischen Relevanz des Kulturpublikums sowie mit der Kulturnutzung verschiedenster Bevölkerungsgruppen befassen.

Darüber hinaus beschäftigen sich aber auch die Praktikerinnen und Praktiker in den Kulturinstitutionen zunehmend mit „ihrem“ Publikum. Zum einen besteht ein hoher Bedarf an Fortbildungen, Beratungen und Publikationen in den Bereichen Marketing und Marktforschung. So war beispielsweise die erste Auflage des diesem Handbuch vorausgehenden Bandes „Das Kulturpublikum – Fragestellungen und Befunde der empirischen Forschung“ bereits innerhalb eines Jahres vergriffen. Zum anderen führen Kultureinrichtungen aber auch vermehrt eigene Besucherstudien durch: Bei einer Umfrage gaben mehr als die Hälfte der sich beteiligenden öffentlichen Museen, Theater, Opern und Orchester an, in der Zeit von 2002 bis 2006 bereits selbst Besucherforschungsprojekte durchgeführt zu haben.

Trotz dieses notwendigen und erfreulichen neuen Interesses am Publikum von Kunst und Kultur, das sich inzwischen auch in zunehmenden und vielfältigen Forschungsaktivitäten niederschlägt, lässt sich das Themengebiet noch sehr schwer überblicken. Zurückgeführt werden kann diese Unübersichtlichkeit vor allem auf die verschiedenen disziplinären Zugänge, die von sozialwissenschaftlicher Grundlagenforschung über Marktforschung bis hin zu kulturpädagogischen Evaluationen reichen. Zudem finden in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Kulturpublikum eine Vielzahl verschiedener theoretischer Konzepte und methodischer Herangehensweisen Anwendung. Entsprechend nachvollziehbar ist damit, dass empirische Forschung über Kulturpublika bislang nur in wenigen Fällen aufeinander bezogen war, „weshalb die Einschätzung der Forschungslage als disparat, heterogen, unsystematisch, polytelisch hier [nach wie vor; P. F./P. G.] eher angebracht ist als in vielen anderen Forschungsfeldern“ (Dollase 1998, S. 164). Zudem beschränkt sich ein Großteil der Studien zumeist auch auf jeweils eine Sparte – wie zum Beispiel Museen, Theater oder Kinos – oder sogar nur auf einen Teilbereich innerhalb einer Sparte, wie beispielsweise Festspiel-Besucher. In der Konsequenz existiert eine Vielzahl an speziellen Fragestellungen und Einzelbefunden, die sich aber nur schwerlich zu einem umfassenden Gesamtbild zusammenführen lassen.

Mit dem bereits erwähnten Vorgängerband sowie dem nun hier vorliegenden Handbuch ist der Anspruch verbunden, die Orientierung in diesem Feld zu ermöglichen. Das Ziel ist es, den an aktuellen und zukünftigen Diskussionen bzw. Entscheidungen beteiligten Akteuren aus Kulturmanagement, Kulturpolitik und Kultureller Bildung ein Nachschlagewerk an die Hand zu geben, in dem sie sich – über punktuelle Einzelstudien hinausgehend – umfassend und differenziert über die Publika jeder Sparte informieren können. Ferner soll Forschenden ein Einstieg in die Thematik erleichtert und ein Blick über den Tellerrand des eigenen Spezialgebietes ermöglicht werden. Aus diesem Grund werden die spartenspezifischen Betrachtungen um Beiträge zu theoretischen, methodischen und begrifflichen Grundlagen der Kulturpublikumsforschung sowie zu aktuellen Entwicklungen, innovativen Ansätzen und internationalen Trends ergänzt. Damit verbunden ist auch die Absicht, zu einer Übertragung erfolgreicher Zugänge und Methoden aus Forschungsprojekten innerhalb einer Sparte – wie zum Beispiel dem Kinopublikum – auf andere Sparten und ihre Publika – wie den Theaterbesuchern – anzuregen. Notwendig wird dies nicht zuletzt sowohl durch die an Bedeutung zunehmenden Querschnittsfelder wie Kulturtourismus und Kulturelle Bildung als auch durch veränderte Kulturnutzungsgewohnheiten, die aktuell z. B. unter dem Etikett „Kulturflaneur“ (Keuchel in diesem Band) oder „kulturelle Allesfresser“ (vgl. Peterson und Kern 1996; Neuhoff 2001; Rössel 2006; Kirchberg und Kuchar in diesem Band) diskutiert werden. Es soll so eine Grundlage für einen übergreifenden und sich gegenseitig inspirierenden Austausch über empirische Forschungsansätze in Bezug auf das Kulturpublikum geschaffen werden.

Weitere Beiträge zum Thema:

Studie: Interkulturelles Audience Development in öffentlichen Kulturinstitutionen
Konferenzbericht: Methoden der Kulturnutzerforschung
Porträt: Schöne Kultur und harte Fakten. Die Idee von stARTistics
Ausführliche Einführung ins Handbuch

Patrick Glogner-Pilz und Patrick S. Föhl
05.10.2015, Kristin Oswald
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