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27. Februar 2017

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Bücher

Buchrezension: Einführung in das Internationale Kulturmanagement

Derzeit ist die Frage, welchen Einfluss die Globalisierung auf KulturmanagerInnen hat und wie sich das Kulturmanagement internationalisiert, drängender denn je. Ihr begegnet das Buch „Einführung in das Internationale Kulturmanagement“. Die Autorin Raphaela Henze untersucht darin, ob das Selbstverständnis von praktisch tätigen KulturmanagerInnen auch einen internationalen Aspekt umfasst.

Gegenstand des als Lehrbuch angelegten Bandes, der 2016 im Springer Verlag erschien, ist die Darstellung dessen, was Internationales Kulturmanagement heute ist. Henze, die als Professorin für Kulturmanagement an der Hochschule Heilbronn tätig ist, untersucht dabei, wie KulturmanagerInnen in unterschiedlichen Regionen der Welt auf Globalisierung reagieren und wie sie sich und ihre Tätigkeit mit Blick auf Internationalisierungsbemühungen verorten. Deutlich wird dabei, dass Globalisierung und Internationalisierung als Themen des Kulturmanagements noch immer eine untergeordnete Rolle spielen, obgleich sie nicht nur für diejenigen relevant sind, die in international agierenden Institutionen arbeiten, sondern auch für deutsche Stadttheater, Museen oder Musikschulen. 

„International“ in Theorie und Praxis

Ziel des Buches es, die Weite des Themas aufzuzeigen, Anregungen zu geben und Ideen zu generieren. Denn, so eine These Henzes: Kulturmanagement von heute ist per se international. So sei die Praxis des Kulturmanagers zutiefst abhängig von kulturpolitischen Entscheidungen, die wiederum von gesamtpolitischen und globalen Ereignissen mitbestimmt werden. 

Doch es wird nicht nur ein Blick auf die Kultureinrichtungen gewagt, sondern auch auf die Hochschulen. Dabei möchte die Autorin eine Diskussion darüber anregen, welche Inhalte in den Lehrplan des Kulturmanagements aufgenommen werden sollten und wie das Curriculum sinnvoll erweitert werden kann, ohne einen generellen Anspruch auf Internationalität zu erheben. Im Gegensatz zu vielen klassischen Lehrbüchern des Kulturmanagements verweist Henze immer wieder auf aktuelle Problemlagen und projiziert diese auf den kulturmanagerialen Diskurs. Dabei macht sie deutlich, dass die Disziplin Kulturmanagement sich stets entwickeln und situativ auf wechselnde Anforderungen einstellen muss. 

Aufbau des Buches

Die Autorin versteht ihr Buch weniger als Handwerkskasten, sondern sieht es als Erfahrungsbericht, mit dessen Hilfe die LeserInnen für das Thema sensibilisiert werden sollen. Es gliedert sich in vier größere Teile. Im ersten Teil stellt Henze zunächst Begriffe vor, die für das Internationale Kulturmanagement relevante sind. Mit der Darstellung globaler kultur- und kreativwirtschaftlicher Bereiche, der cultural diplomacy, grenzüberschreitender Projekte und Organisationen sowie der Idee eines diversifizierten Kulturlebens gibt sie außerdem einen Überblick derjenigen Tätigkeitsfelder, in welchen internationales Kulturmanagement stattfindet. 

Der zweite Teil erläutert die Ergebnisse einer Online-Befragung von 350 KulturmanagerInnen aus 46 Ländern. Basierend auf diesem internationalen Vergleich kann Henze die regionalen Unterschiede im Umgang mit den Herausforderungen der Globalisierung nachzeichnen. Daran anschließend werden im dritten Teil Erfahrungsberichte und Fallstudien vorgestellt. Sie sind in vier Kategorien gegliedert: 1. Erfahrungen von KulturmanagerInnen, die aufgrund ihrer Tätigkeit häufig in internationalen Kontexten agieren; 2. Fallstudien, die die zunehmend wichtige Rolle internationaler KulturmanagerInnen als Übersetzer und Broker zwischen Kulturen beschreiben; 3. Fallstudien aus Afrika sowie 4. Fallstudien aus unterschiedlichen Kultursparten. Henze legt darauf Wert, dass es sich dabei nicht um Best-Practice-Beispiele handelt, sondern um Erfahrungen aus den verschiedenen Kultursparten. Das Buch beschließt mit einem Serviceteil. In übersichtlicher Weise werden hier erstmals systematisch Informationen rund um das Thema Internationales Kulturmanagement dargestellt. Sowohl der erste als auch der zweite Teil werden mit Wiederholungsaufgaben beschlossen, mit deren Hilfe der Leser sein neu gewonnenes Wissen vertiefen kann. 

Was meint „international“?

Geprägt sind die Überlegungen Henzes im Wesentlichen durch ein Verständnis der Relativität der Weltsichten. Die Bedeutung der Sprache kommt beispielsweise dort zum Ausdruck, wo es um die Klärung und Schärfung der verwendeten Begriffe innerhalb des Internationalen Kulturmanagement geht. So grenzt sich etwa der Begriff des Internationalen vom Interkulturellen, indem sich zweiterer insbesondere im deutschsprachigen Raum auf die Einbindung von Menschen unterschiedlicher Herkunft bezieht. Damit sei jedoch auch eine stark kolonialistische Sicht verbunden, die impliziere, „dass es etwas Spezifisches [gäbe], was diese Zielgruppe ansprechen [müsste], das offensichtlich von dem [abweiche], was man dem bisherigen Publikum zugemutet [habe]“ (S. 13). Henze verweist darauf, dass es unabdingbar und notwendig sei, sich von einer eurozentristischen Sicht auf Kultur loszumachen und sich etwa durch die derzeitige „kulturelle Hybridisierung“ Menschen unterschiedlicher Herkunft zu öffnen und sie als „Kunst- und Kulturschaffende sichtbar zu machen“ (S. 19). 

Zugleich betont Henze, dass auch KulturmanagerInnen selbst von der Zusammenarbeit mit Menschen verschiedener kultureller Herkunft profitieren und neue Weltsichten kennen lernen können. Leider, so beklagt sie, würden aber gerade KulturmanagerInnen der deutschsprachigen Länder diese Chance nur selten erkennen und wahrnehmen. Es seien aber eben diese Öffnung und der Wille zu lebenslangem Lernen, die das Internationale des Kulturmanagements grundlegend mitbestimmen. In diesem Sinn, so kann mit Henze konstatiert werden, macht die innere Haltung gegenüber anderen Kulturen Internationales Kulturmanagement aus. Es bedeute die Zusammenarbeit mit Partnern aus unterschiedlichen Ländern„ in dem Bewusstsein der Unterschiede der jeweiligen Partner, die [...]nicht nivelliert werden, sondern für das gemeinsame Vorhaben [...] sinnstiftend genutzt werden sollen“ (S. 12). 

Praktische Herausforderungen internationaler Tätigkeit

Diese Idee durchzieht das gesamte Buch und wird durch Henze auf zwei Ebenen ausbuchstabiert. Zum einen betrachtet sie es aus Sicht des/r internationalen KulturmanagerIn, der/die im eigenen Land tätig ist, und das Problem der Publikumsgewinnung. Hier forciert die Autorin eine Wende, denn die zentrale Frage sei, welche Kulturgüter die sich ständig verändernde Gesellschaft in ihrer globalen Gesamtheit interessiere und wie diese auch außerhalb des Raumes, in dem sie entstehen, wirken können. Hier bricht Henze für den negativ konnotierten Begriff der Populärkultur eine Lanze, insofern diese Potenzial habe, Grenzen – seien sie geographischer oder geistiger Natur – überwinden und eine Metaidentität für eine Vielzahl an unterschiedlichsten gesellschaftlichen Gruppen entwickeln zu können,  ohne dass dies die je eigene Identität eines Landes oder einer Region ausschließe. So würden Touristen gerade das „Andere“ kennenlernen wollen und erfolgreiche Musikgenres seien in bestimmten regionalen Traditionen etc. verankert. 

Zum anderen betrachtet Henze das Prinzip Internationalen Kulturmanagements – das Zusammenfallen von universellen Grundwerten mit individuellen bzw. regionalen Besonderheiten – mit Blick auf eine Tätigkeit im Ausland und das Zusammenspiel von länder- und kulturspezifischen Besonderheiten mit universellen Grundwerten in kulturmanagerialem Handeln. Dabei würde nicht alles, „was in der Heimat mehrheitlich als gut, wahr und schön beschrieben würde, [...] im Ausland ebenso wahrgenommen“ (S. 27). Ebenso wie für die Tätigkeit im Heimatland gelte, dass ein Angebot nur dann erfolgreich sein könne, wenn der eigene Kulturbegriff hinterfragt und sich an universellen Werten orientiert würde. Darin sieht Henze „die vornehmste Aufgabe von Kulturmanagern“ (S. 30). Die Entscheidung, „wie und wo“ die Linie zwischen Identität und Universalität „zu ziehen ist und wo aber auch Brücken gebaut werden müssen, um einander begegnen zu können, ist diplomatisch so schwierig wie wichtig, wenn wir weiterhin in Gesellschaften leben wollen, die das Berufsbild des Kulturmanagers überhaupt brauchen können“ (S. 30). 

Mehrfach betont sie die Notwendigkeit eines kritischen und theoriegeleiteten Diskurses über Bedeutungen, Werte und Interpretationen, der nationen- und disziplinübergreifend stattfinden  und von der Wissenschaft aufgegriffen werden müsse, um eine übergeordnete Sichtweise auf die Ereignisse zu geben. Henze schreibt damit gegen einen Eurozentrismus an, den sie in europäischen, insbesondere in den untersuchten deutschsprachigen Ländern vorhanden sieht. Sie fordert die Kulturmanager auf, die „Komfortzone“ (S. 145) Europa zu verlassen, um die eigene Perspektive zu erweitern und gesamtgesellschaftliche Entwicklungsprozesse in Gang zu bringen. 

Dabei entwirft Henze relevante Anforderungen für die Ausbildung zukünftiger international tätiger KulturmanagerInnen und betont die elementare Bedeutung der Schulung des reflexiven Denkens. Gerade im Bereich des Kulturmanagements ginge es nicht ausschließlich darum, richtige Antworten und vorgegebene Handlungsmuster zu kennen. Dringliche Themen, die das Curriculum bereichern sollten, seien u.a. als Ergebnis der Umfrage die Themen Migration, Menschenrechte, der Schutz von Kunst- und Kulturschaffenden und Innovationsmanagement. 

Fazit

Lehrbücher zum Kulturmanagement gibt es viele, nicht jedoch zum Topos des Internationalen Kulturmanagements. Raphaela Henze nimmt mit ihrer Arbeit zur Globalisierung und Internationalisierung des Kulturmanagements damit bisher kaum berücksichtigte Aspekte kulturmanagerialer Praxis in den Blick. Mittels des Einsatzes sowohl quantitativer als auch qualitativer Methoden gelingt ihr die Abbildung der Thematik aus der Praxis des Kulturmanagements selbst heraus. Dadurch kann sie damit zusammenhängende Probleme beleuchten, die sich erst durch die Praxis stellen oder sichtbar werden. Darüber hinaus ist Henzes Buch zwar insofern ein Lehrbuch als es die wesentlichen Begrifflichkeiten, Aufgaben und Herausforderungen des Internationalen Kulturmanagements vorstellt. Jedoch weist es aufgrund der kritisch-reflexiven Auseinandersetzung mit der Praxis der eigenen Disziplin zugleich über einen bloßen Lehrbuchcharakter hinaus. 

Anne Lepper studierte Philosophie und Soziologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und promovierte an den Universitäten Erfurt und Koblenz-Landau, an denen sie auch diverse Lehraufträge inne hatte. Sie war Promotionsstipendiatin der Graduiertenschule »Herausforderung Leben« der Universität Koblenz-Landau und ist seit März 2016 Forschungsreferentin an der Hochschule Heilbronn.

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Anne Lepper
28.11.2016, Kristin Oswald
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