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28. März 2017

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Hintergrundbericht

Brauchen Museen tatsächlich flächendeckendes, kostenloses Besucher-WLAN?

Mobile first! Um diesem digitalen Trend gerecht zu werden, werden von Kultureinrichtungen nicht nur entsprechende Angebote erwartet, sondern immer öfter auch ein kostenloser Internetzugang vor Ort. Dabei gibt es durchaus Gründe, die gegen diesen sprechen – und sinnige Alternativen.

Nicht zum ersten Mal treffe ich bei einem Museum auf das Thema WLAN. Ein großes deutsches Haus will im kommenden Jahr eine neue Ausstellung eröffnen und eine App soll diese Ausstellung begleiten. Doch recht schnell wird klar, dass die technische Ausstattung des Gebäudes und der Denkmalschutz die Installation eines flächendeckenden WLAN-Netzes mit Routern, Leitungen usw. sehr aufwendig machen und den Budgetrahmen sprengen würde. Natürlich soll die technische Infrastruktur nicht nur für eine Ausstellung aufgesetzt werden, sondern nachhaltig alle zukünftigen Ausstellungen unterstützen. Dennoch ist der Kostenaufwand immens.

Wenn sich schon ein großes, nicht unbedingt armes Museum ein solches flächendeckendes WLAN nicht leisten kann, was sollen dann kleine Museen sagen? Warum muss ein Museum überhaupt einen kostenlosen Internetzugang für Besucher zur Verfügung stellen? Was will es damit bezwecken? 

Museale Inszenierungen vs. Smartphone-Nutzung?

2011/2012 hatte ich das große Vergnügen, ein App-Konzept für das Pergamon-Panorama von Yadegar Asisi in Berlin erstellen zu dürfen. Wir wollten z.B. Augmented Reality einsetzen, um die Zugehörigkeit der realen Exponate der Ausstellung auf dem Panorama anzuzeigen. Die App wurde nicht entwickelt, unter anderem, weil Herr Asis nicht wollte, dass die Wahrnehmung des Panoramas durch die Smartphone-Verwendung beeinflusst wird. Und ich muss sagen, er hatte recht mit seiner Meinung. Die Verwendung eines Smartphones zur Informationsgewinnung oder zur Rekontextualisierung hätte die Inszenierung ebenso gestört, als würde ich während eines Theaterstücks die historischen Zusammenhänge googlen.

Doch seit 2012 hat sich einiges beim Informationskonsum der Menschen verändert. Smartphones sind inzwischen das Haupttransportmittel für (digitale) Informationen. Was bedeutet das aber für Museen und ihre Aufgaben? Müssen sie sich vom gezielten Kuratieren verabschieden oder anders kuratieren? Schauen wir uns die beiden relevanten Nutzungen von Smartphones im Museum an: 

Eine Hauptnutzungsweise ist die kontextunabhängige Standardnutzung, wie das Abrufen von Emails, das Betrachten von Videos, Kommunikation über die sozialen Plattformen etc. Natürlich muss ein Museum keinen flächendeckenden, also im ganzen Haus zugänglichen Internetzugang für Besucher zur Verfügung stellen, die diesen nur für die Standard-Smartphonenutzung verwenden. Warum auch? Dafür reicht auch ein Internetzugang im Museumscafé (es winken zusätzliche Umsätze) oder ggf. im Eingangsbereich.

Auf der anderen Seite haben wir die kontextgetriebene Informationsgewinnung und -weitergabe. Besonders für Studium und Erziehung spielt diese Nutzung eine nicht unerhebliche Rolle. Auch die Freude kann ich mithilfe der digitalen Technologie steigern, indem ich den realen Raum digital erweitere. Diese Nutzung nun lässt sich gut mit der Definition eines Museums nach dem ICOM in Verbindung bringen, nach der es eine Einrichtung ist, die unter anderem „materielle Belege des Menschen und seiner Umwelt zum Zwecke des Studiums, der Erziehung und der Freude erwirbt, erhält, erforscht, vermittelt und ausstellt.“ 

Die kontextgetriebene Nutzung ist also wichtig und muss meiner Meinung nach unterstützt werden. Jedoch stellt sich die Frage, ob man dafür tatsächlich einen freien flächendeckenden Internetzugang gewährleisten muss.

Museale Inszenierung und unterstützende Smartphone-Nutzung

Verlässliche Informationen haben – nicht nur für mich – einen extrem hohen Wert. Aber wer bietet mir solche Informationen und wie nutze ich im Privaten das Smartphone, um sie zu erhalten?

Ein Beispiel aus dem Bereich Fernsehen veranschaulicht das sehr gut: Wenn ich fernsehe, z.B. eine interessante Reportage, und feststelle, dass mein Grundwissen für das Thema nicht ausreicht, nehme ich mein iPad und gebe den Wissensbegriff in das Suchfeld des Browsers ein. Im Regelfall erscheint ganz oben der passende Wikipedia-Eintrag, den ich aufrufe, um mich schnell weiterzubilden. RTL hat einen interessanten Weg gefunden, dieses Verhalten zu nutzen. Die RTL-App funktionierte lange wie ein zweiter Bildschirm und zeigte Informationen an, die zum aktuellen Fernsehprogramm passten. Ich musste also nicht mehr googlen und konnte ich mich schneller wieder dem eigentlichen Inhalt widmen, weil das RTL-Team das Thema bereits aufbereitet und mir über mein Smartphone zur Verfügung gestellt hatte. 

Übersetzen wir das für Museen. Ein Museum recherchiert alle relevanten Informationen während der Vorbereitung der Ausstellung, sodass sie zur Eröffnung bereits vorliegen – vielleicht noch nicht digital, aber auch für eine nachhaltige interne Datenstruktur müssen sie in jedem Fall irgendwann digitalisiert werden. Die meisten Menschen vertrauen Museen. Wenn diese also die relevanten Informationen vorrecherchieren und mir gezielt vor Ort zur Verfügung stellen, muss ich nicht den umständlichen Weg über Google/ Wikipedia etc. gehen, um zum selben Ziel zu gelangen. Und dafür braucht man keinen freien Internetzugang. Das kann man technisch besser, einfacher und kostengünstiger lösen.

Datennutzung ohne Internet?

Will ein Museum ein flächendeckendes Besucher-WLAN installieren, braucht es WLAN-Router, Strom- und Datenleitungen, die so positioniert sind, dass sie alle Räume vollflächig versorgen. In der Regel sind aber kaum Datenleitungen vorhanden und mitunter müssen auch Stromkabel nachgerüstet werden, um eine optimale Position der Router zu gewährleisten. Das kann richtig teuer werden.

Schalten wir einen Gang runter und entfernen das Internet – also nur den Informationsfluss, nicht das WLAN. Jetzt brauchen wir die Datenleitungen nicht mehr. Und die Informationen, die wir zur Verfügung stellen wollen, liegen stattdessen auf der eingebauten Festplatte des Routers. Diese Daten können Webseiten sein, die ohne eine Internetverbindung aufgerufen werden können, oder Datenpakete, die von einer App eingesammelt werden. Zudem müssen die Router keine flächendeckende Abdeckung mehr gewährleisten. 

Mit einer gut durchdachten Daten- und Technikinfrastruktur lassen sich die Kosten auf diese Weise erheblich senken. Ich würde trotzdem empfehlen, mindestens am Eingang, nach Möglichkeit im Café, einen freien Zugang zum Internet zu gewährleisten. So kann man dem Besucher in einer App eine Merk-Funktion und ggf. weiterführende Links zur Verfügung stellen, mit denen er später im Café tiefgehender im Internet recherchieren und zugleich noch etwas Geld ausgeben kann. Und wer wirklich tief einsteigen will, verwendet dafür in der Regel nicht sein Smartphone, sondern einen Desktop-Computer. Wenn man ihm die Merkliste zusätzlich per Mail zukommen lässt, kann er sich ganz bequem zuhause mit der Recherche beschäftigen. 

Und jetzt kommen wir zur Light-Variante und streichen auch noch fast alle Router! Wir lassen nur noch die stehen, die den Zugang zum freien Internet gewähren. Der Besucher wird am Eingang über das Vorhandensein einer App informiert, die er dort kostenlos über das WLAN herunterladen kann. Die herunterzuladende App ist bewusst sehr klein gehalten, weil sie so gut wie keine Inhalte enthält. Öffnet der Besucher sie noch im Foyer, begrüßt sie ihn, während im Hintergrund zwei wichtige Prozesse passieren: Die App teilt dem Datenserver mit, um was für ein Smartphone es sich handelt und der Server weist dem Smartphone das speziell für dieses Gerät passende Datenpaket zu , das dann auf das Smartphone geladen wird. Ist der Download abgeschlossen, benötigt die App von diesem Zeitpunkt an kein Internet oder WLAN mehr. Fast die gesamte technische Infrastruktur kann so eingespart werden. 

Und für Museen, die sich dazu entschließen, überhaupt kein freies Internet zur Verfügung zu stellen, könnte man die Daten auch nur noch lokal vorhalten. Nur um das mobile Endgerät kommt man definitiv nicht herum!

Nichts ist für uns, die wir digitale Konzepte für Kultureinrichtungen entwickeln, schlimmer, als schlechte Umsetzungen anderer zu sehen. Wir brauchen gute Ergebnisse, damit das Vertrauen bei den Kultureinrichtungen steigt und mehr gute Projekte entstehen. Damit eine Kultureinrichtung einschätzen kann, was „gut“ ist, sollte sie sich mit dem Thema Dateninfrastruktur für Besucher auseinandersetzen., am besten mit einem kompetenten Berater. Mit dem richtigen Konzept fällt die Ausschreibung und Beauftragung eines Dienstleisters viel leichter und die Wahrscheinlichkeit, dass Sie die für sich beste Lösung erhalten, steigt enorm. 

Martin Adam hat viele Jahre Controlling- und Portfoliomanagement-Software entwickelt. Mit der Gründung der Agentur mCRUMBS im Jahr 2009 legte er seinen Fokus auf Augmented Reality und die verschiedenen Technologien des mobilen Internets. Nach über 300 internationalen AR-Projekten, viele davon im Kulturbereich, gehört er heute zu den erfahrensten Augmented Reality-Beratern und Entwicklern weltweit. 

Weitere Beiträge zum Thema

Martin Adam
13.01.2017, Kristin Oswald
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