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28. Mai 2017

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Porträt

Das Ende einer Ära: Armin Klein wird emeritiert

Die Etablierung des Kulturmanagements in Deutschland und die Weiterentwicklung des hiesigen Kulturbetriebs sind untrennbar mit dem Namen Armin Klein verbunden. Während seiner fast 40-jährigen Tätigkeit hat er unzählige Kulturmanager ausgebildet, die Kulturpolitik mitgeprägt und sich als Forscher in zahlreichen Veröffentlichungen mit fast allen Themengebieten des Kulturmanagements beschäftigt. Zum Ende des Wintersemesters 2016/17 wird er nun emeritiert.

Zwar ist ein Kulturmanagement-Studium nach wie vor kein Muss, um Kultur erfolgreich zu leiten. Trotzdem zeigt derzeit etwa das Beispiel Chris Dercon, dass ein wenig geradliniger Werdegang und der Wechsel zwischen Sparten und Bereichen nicht nur immer unüblicher, sondern mitunter sogar abgelehnt wird. Armin Kleins Karriere zeigt jedoch, warum es umfangreiches Wissen über die unterschiedlichen Organisationsformen von Kultur und die Kulturpolitik braucht, um den Kulturbetrieb als Ganzes zu denken und zu professionalisieren. Denn ohne seine facettenreichen Erfahrungen hätte Klein die Etablierung des Faches Kulturmanagement im deutschsprachigen Raum und das heutige Verständnis eines starken und zukunftsfähigen Kulturbetriebs sicher nicht so stark vorantreiben und prägen können.

Wie bei vielen Kulturmanagern begann Kleins beruflicher Werdegang in den Geisteswissenschaften und war fortan von spartenübergreifenden Projekten und Tätigkeiten geprägt. So war er nach dem Studium der Germanistik, Politikwissenschaft und Philosophie in den 1980er Jahren etwa als leitender Dramaturg am Theater am Turm in Frankfurt am Main, als künstlerischer Leiter des Körpertheaterfestivals „Balance“ in Marburg oder als Organisationsleiter der Landesausstellung „Elisabeth von Thüringen“ tätig. 1981 trat er zudem eine Stelle als Kulturreferent der Stadt Marburg an, die er bis 1994 innehatte.

Nach der Wiedervereinigung und diesen ersten, Erfahrungen widmete sich Klein verstärkt der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Kulturbereich. Parallel zu seiner Tätigkeit bei der Stiftung für Aus- und Weiterbildung der Kulturverwaltung der neuen Länder (IBFK) promovierte er an der Philipps-Universität Marburg und erhielt erste Lehraufträge dort sowie an seiner Alma Mater in Mainz. Es folgten Mitherausgeberschaften etwa für das International Journal of Arts Management, die Reihe Kulturmanagement und Kulturwissenschaft und das Deutsche Jahrbuch für Kulturmanagement sowie Vorträge u.a. in Kanada, Taiwan und verschiedenen Ländern Ost- und Südeuropas.

Der Großteil seiner Forschungs- und Ausbildungstätigkeit erfolgte jedoch als Professor für Kulturwissenschaft und Kulturmanagement an der PH Ludwigsburg, wo er seit 1994 bis 2017 tätig war. Zudem war er Vorstandsmitglied der Kulturpolitischen Gesellschaft, Dozent zahlreicher Kulturmanagement-Studiengänge in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie Leiter des Weiterbildungsprogramms der Robert-Bosch-Kulturmanager in Mittel- und Osteuropa. Diese vielzähligen internationalen Erfahrungen flossen nicht nur in die Gründung und Leitung (zusammen mit Dr. Patrick Föhl) der Ulm Danube School for Arts Management ein, sondern auch in seine zahlreichen Veröffentlichungen.

In seinen Arbeitsschwerpunkten Kulturmarketing, Kulturpolitik, Organisationstheorie, Theater- und Museumsmanagement waren sie durch neue Ansätze vor allem aus dem angloamerikanischen Raum stets spürbar. Mit dem „Exzellenten Kulturbetrieb“ und Monographien zu Leadership und Besucherbindung wurde er zum erfolgreichsten Buchautor im Kulturmanagement und prägte im deutschsprachigen Kulturbereich ein neues Bild davon, wie Kultureinrichtungen sich in ihrer Umwelt positionieren und zeitgemäß agieren sollten.

Kleins aufsehenerregendste Veröffentlichung war aber sicher der zusammen mit Dieter Haselbach, Pius Knüsel und Stephan Opitz verfasste „Kulturinfarkt“. In diesem als Polemik gedachten Buch kritisierten die Autoren auf Basis ihrer langjährigen Erfahrungen, dass innovative Ansätze im deutschsprachigen Kulturbetrieb oft zwar gehört, aber nur selten umgesetzt würden. Aufsehen erregte dabei vor allem die Forderung, die Anzahl und Förderung der Kulturinstitutionen radikal zu verändern – auf Kosten der Hochkultur und zugunsten von soziokulturellen Ansätzen, die häufig nicht nur näher an ihren Besuchern, sondern zudem auch wirtschaftlich selbstständiger und verantwortungsbewusster agieren.

Das rief eine bis dahin selten gesehene öffentliche Debatte über Kulturpolitik und –förderung hervor, die weit über die Feuilletons hinaus reichte. Sie war bestimmt von abwehrenden Haltungen bis hin zu persönlichen Diffamierungen der Autoren. Dabei war es zwar durchaus gerechtfertigt, deren fehlende Selbstreflektion bezüglich ihrer eigenen Tätigkeit als Ausbilder und Führungspersonen in jenem zu starren Kulturbetrieb zu beklagen. Doch zugleich setzen sich nur wenige der Kritiker des Kulturinfarktes ernsthaft mit den darin geäußerten Vorwürfen etwa bezüglich Besucherdiversität, dem Selbstbild der Kultureinrichtungen und der Anpassung an ihre sich verändernde gesellschaftliche Umwelt auseinander.

Und so hat der Kulturinfarkt zwar viel Aufregung hervorgerufen, an den strukturellen Grundlagen der Praxis jedoch kaum etwas verändert – ebenso wie an Armin Kleins Anerkennung als Mitbegründer des Faches Kulturmanagement. Nach wie vor plädiert er unermüdlich dafür, Kultur nicht primär in Sparten zu denken und Kulturmanagement wie Kulturpolitik als aktivierend zu verstehen. So erweist sich seine vielfältige Karriere im Rückblick doch als geradliniger und zielstrebiger Weg zu einem exzellenten Kulturbetrieb, für dessen Umsetzung er sich in Diskussionen auf Tagungen, in Gremien und Publikationen nach wie vor vehement einsetzt. Und so werden wir auch nach seiner Emeritierung sicher noch viel von Armin Klein lesen und hören.

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Kulturmanagement Network Redaktion
09.02.2017, Julia Jakob
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