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23. Mai 2017

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„Museen müssen ihre Arbeit hinterfragen.“ Vorschau mit Eckart Köhne auf die Jahrestagung des DMB

Jahrestagung 2016 © Dirk Urban

1917 wurde der Deutsche Museumsbund gegründet. Passend zu diesem 100. Geburtstag wird die diesjährige Jahrestagung vom 7. bis 10. Mai in Berlin eine Standortbestimmung der deutschen Museumslandschaft vornehmen. Dabei soll nicht nur die Vergangenheit rekapituliert werden. Unter der Überschrift „digital. ökonomisch. relevant.“ wird es vor allem um jene Veränderungen gehen, die den Museen derzeit bevorstehen.

Wir sprachen mit Dr. Eckart Köhne, dem Präsident des DMB, über ungenutzte Potenziale der Museen und den Blick nach vorn. In deren Veränderungsprozessen spielt Kultur- und Museumsmanagement eine große Rolle, geht es doch darum Aufgaben und Standards neu zu definieren, den Blick zu weiten und sich den Themen der Gegenwart und Zukunft zu stellen.

Das Interview führte Kristin Oswald.

Kulturmanagement Network: Lieber Herr Köhne, welche Themen werden Ihrer Meinung nach die Zukunft der Museen am stärksten prägen?

Eckart Köhne: Mit den Begriffen „digital“, „ökonomisch“ und „relevant“ setzen wir drei Themen, die unserer Ansicht nach die Museen gegenwärtig entscheidend prägen und dies auch zukünftig tun werden. Wir fassen diese Themen dabei sehr breit. So wollen wir hinsichtlich der Digitalisierung über Online-Datenbanken, über Soziale Medien oder auch 3 D-Drucker sprechen. Mit „Ökonomisierung“ meinen wir nicht nur die Erwartung, Einnahmen zu generieren, und die damit verbundene Diskussion um freien Eintritt, sondern beispielsweise auch Fragen des kostensenkenden Betriebs von Museen, Stichwort „Null-Energie-Museum“. Und unter dem Begriff „Relevanz“ lassen sich viele Fragen der Besucheransprache und Vermittlung fassen. Festzuhalten ist, dass sich die Museumsarbeit in den vergangenen Jahren unglaublich diversifiziert hat und sicher auch noch weiter wird. Dabei spielt auch die Frage der Innovationsfähigkeit von Museen eine Rolle. Gerade weil das Museum eine sehr traditionsreiche Institution ist, wird seine Zukunft auch davon bestimmt sein, ob es ihm gelingt, sich immer wieder neu zu erfinden, ohne seine Wurzeln zu verlieren.  

KM: Museen sind immer eng mit der Gesamtsituation eines Landes verbunden und wenn sich die Gesellschaft verändert, tun es auch die Anforderungen an die Museen. Ist es also an der Zeit, ihre Kernaufgaben neu zu definieren oder ihre Hierarchisierung zu überdenken?

EK: Auf jeden Fall. Ziel muss sein, dass wir unsere Arbeit hinterfragen, ohne sie in Frage zu stellen. Museen sind in Deutschland fest in der Gesellschaft verankert und sehr vertrauenswürdige Einrichtungen. Doch wir dürfen das nicht als auf ewig gegeben ansehen, sondern sollten bereit sein, den Erfolg immer wieder neu zu erarbeiten. Nachdem sich Museen lange mit Events schwer taten, haben mittlerweile der Eventcharakter oder zumindest temporäre Angebote die permanenten Kernaufgaben in den Schatten gestellt. Doch wenn wir nicht wollen, dass beispielsweise die Forschung oder das Bewahren ins Hintertreffen geraten, müssen wir neue Wege finden, zu vermitteln, was wir tun und wozu das gut ist. Zum anderen lohnt es sich, sich bewusst zu machen, wo Museen Beträge für unsere Gesellschaft leisten, beispielsweise in der Arbeit mit Demenzkranken, im Bereich der Integration und außerschulischen Bildung. Wir haben allen Grund selbstbewusst aufzutreten.

KM: Die Ökonomisierung und strategische bzw. manageriale Betrachtungen nehmen einen breiten Raum im Tagungsprogramm ein. Welchen Stellenwert haben diese Aspekte in der Museumsarbeit? Wo gibt es Nachholbedarf und wie können die einzelnen Häuser langfristige Veränderungsprozesse anstoßen?

EK: Diese Aspekte gewinnen zunehmend an Bedeutung. Denn mit knapper werdenden Ressourcen müssen wir unsere Arbeit effizienter gestalten und strategischer planen. Letzteres ist erstmal nichts Schlechtes, aber unsere Strukturen haben sich nicht gemäß den veränderten Anforderungen mitentwickelt. Deshalb brauchen wir eine strukturelle Erneuerung der Museen, bei der unsere Kernaufgaben nicht vernachlässigt werden. Wir müssen mit unseren Partnern z.B. aus der Tourismusbranche auf Augenhöhe sprechen können, aber dafür fehlen uns oft das Personal und/oder die Qualifikation. Hier ist Hilfe zur Selbsthilfe gefragt, z.B. durch kollegialen Austausch in den Arbeitskreisen des Deutschen Museumsbunds. Aber das allein kann es nicht sein. Es muss auch ein Bekenntnis der Träger zur Institution „Museum“ geben und ein gemeinsames Überlegen, was wir brauchen, um zukunftsfähig zu bleiben.

KM: Auch die Digitalisierung ist eines der Kernthemen des Tagungsprogrammes. Sie eröffnet neue Möglichkeiten hinsichtlich Vermittlung und Marketing, aber etwa auch bezüglich neuer Arbeitsmodelle im Museum. Wie kann man diese Ansätze Ihrer Meinung nach stärker in die Museumsarbeit integrieren?

EK: Die Digitalisierung ist für alle Bereiche der Museumsarbeit relevant. Deshalb brauchen die Museen eine digitale Gesamtstrategie, die die einzelnen Museumsbereiche und die angestrebten Ziele gemeinsam in den Blick nimmt. Dies erfordert Offenheit auf Seiten der Mitarbeiter, aber auch Vertrauen von Seiten der Träger und der Hausleitung. Und natürlich eine technische Infrastruktur und ein Urheberrecht, die das überhaupt ermöglichen. Die Museen im Ausland sind da oft weiter, Daniele Turini vom Historischen Museum in Basel wird darüber auf der Tagung berichten. Aber es gibt mittlerweile auch gute Ansätze in Deutschland, z. B. im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg oder im Städel-Museum. Dennoch müssen wir aufpassen, dass wir den Anschluss nicht verpassen.  

KM: Weite Teile der Bevölkerung gehen nach wie vor kaum bis gar nicht ins Museum. Schon in den 70 Jahren wurde die Relevanzfrage mit dem „Kultur für alle“-Anspruch thematisiert. Auf der Jahrestagung werden internationale Experten über neue Ansätze, etwa des Community Buildings, im Museum sprechen. Wo können sie weiterhelfen und wo stoßen sie vielleicht auch an Grenzen?

EK: Aus dem Ruf nach der „Kultur für alle“ ist heute im Museumssektor etwas realistischer ein „Museum für möglichst viele“ geworden. Das muss unserer Ansicht nach auch weiterhin unser Anspruch sein. Machen wir uns nichts vor, es wird nie gelingen, alle Menschen für das Museum zu begeistern. Das muss es aber auch gar nicht. Es gehen auch nicht alle Menschen in Fußballstadien. Aber es muss möglich sein, die, die potentiell interessiert sind, zu erreichen. Dabei muss das Angebot der Museen die Besucherinteressen berücksichtigen und nicht die Besucher sich dem Museum anpassen. Genau diese Fragestellungen werden wir im Rahmen eines dreijährigen Projekts diskutieren, das wir gerade durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) bewilligt bekommen haben. Unser Tagungs-Panel zum Thema „Relevanz“ nimmt diese Fragen ebenfalls in den Blick. Wir freuen uns auf die Impulse unserer Referenten und eine angeregte Diskussion.

KM: Im Laufe der Geschichte des Museumsbundes kamen immer wieder neue Aufgaben auf die Museen zu. Wie können der Museumsbund, aber auch einzelne Museen und deren Mitarbeiter solchen Veränderungen begegnen?

EK: Die Arbeit des Deutschen Museumsbunds wird geprägt durch das Engagement seiner Mitglieder. Durch diese kommen Themensetzungen und Fragestellungen. Als der Verband vor 100 Jahren gegründet wurde, bestand er nur aus Kunstmuseen. Wenige Jahre später kamen die Naturhistorischen Museen dazu. Heute haben wir vierzehn Fachgruppen und Arbeitskreise, darunter die Arbeitskreise Verwaltungsleitung, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und Volontariat. Daran kann man sehen, wie sich die Aufgaben der Museen verändert haben und wo das Bedürfnis nach kollegialem Austausch besteht. Durch unsere mittlerweile über 3.200 Mitglieder gibt es ein ungeheures Wissenspotential und eine große Bereitschaft, dieses zu teilen. Man kann das gar nicht hoch genug einschätzen. Als Verband werden wir uns auch die nächsten 100 Jahre dafür einsetzen, dieses Netzwerk der Museen zu fördern und weiterzuentwickeln.

Noch bis zum 2. Mai können Sie sich für die Jahrestagung des Deutschen Museumsbundes mit dem Titel „digital. ökonomisch. relevant. Museen verändern sich!“ anmelden. Die Teilnahmegebühr beläuft sich auf 125 Euro für Nichtmitglieder, 75 Euro für Mitglieder des DMB sowie 35 Euro für Volontäre und Studenten. Zudem gibt es ein Kooperationsangebot mit der Deutschen Bahn.

Auch in diesem Jahr werden wir unter dem Hashtag #DMB17 wieder auf Twitter live von der Jahrestagung des deutschen Museumsbundes berichten.

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Kristin Oswald
13.04.2017, Julia Jakob
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