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26. Juni 2017

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Bücher

Buchrezension: Kulturmanagement als Wissenschaft. Grundlagen – Entwicklungen – Perspektiven. Einführung für Studium und Praxis

Die Bedeutung wissenschaftlichen Arbeitens wird von PraktikerInnen im Kulturbetrieb und von Kulturmanagement-Studierenden häufig als gering eingeschätzt. Dabei sind bei der Bewältigung komplexer Herausforderungen und der nachhaltigen Weiterentwicklung von Kulturbetrieben gerade wissenschaftlich-analytische Fähigkeiten von zentraler Bedeutung. Einen Beitrag zur Stärkung dieser Kompetenzen in Praxis und Studium leisten nun Patrick S. Föhl und Patrick Glogner-Pilz mit ihrer Einführung „Kulturmanagement als Wissenschaft“.

Der Band, der 2017 im Transcript Verlag erschienen ist, erläutert verschiedene Ansätze empirischer Kulturmanagement-Forschung. Er zeigt, warum systematisches, wissenschaftlich begründetes Vorgehen auch über das Kulturmanagement als wissenschaftliche Disziplin an den Hochschulen hinaus von Bedeutung ist.

Kulturmanagement als Hochschuldisziplin und Wissenschaft

Die Einführung beginnt mit einer kurzen Geschichte des Kulturmanagements als Hochschuldisziplin, in der die Entwicklung des Fachs in Deutschland, Österreich und der Schweiz anhand von Lehr- und Jahrbüchern sowie einschlägigen Sammelbänden und Schriftenreihen nachgezeichnet wird. Die Autoren zeigen auf, wie sich Kulturmanagement im Laufe der letzten 30 Jahre angesichts unterschiedlicher kulturpolitischer und gesellschaftlicher Anforderungen verändern musste und verändert hat.

Kulturmanagement wird als Wissenschaft beschrieben, die sich überwiegend als empirische und angewandte Forschung versteht und als Bezugsdisziplin Theoriekonzepte aus anderen Disziplinen entlehnt. Kulturmanagement-Forschung versuche, die Wirklichkeit im Kulturbetrieb zu beschreiben und zu erklären, Handlungsempfehlungen zu entwickeln und deren Transfer in die Praxis zu ermöglichen. Die Autoren erläutern auch die Herausforderungen einer solchen realwissenschaftlichen Vorgehensweise, wie etwa das Risiko erwartungsabhängiger Beobachtungen oder die Möglichkeit von Verallgemeinerungen.

Es folgt ein Überblick zu den Charakteristika quantitativer und qualitativer Forschung mit den für das Kulturmanagement wichtigsten Methoden. Dabei werden zentrale Begriffe definiert und der Forschungsprozess anhand von vielen Beispielen aus dem Kulturbetrieb illustriert. Die Autoren schließen mit einem Ausblick auf mögliche „Zukunftsthemen“ und mit der Aufforderung, die Diskussion über Auftrag und Grenzen des Kulturmanagements weiterzuführen.

Föhl und Glogner-Pilz halten eine weitere Profilierung der Kulturmanagement-Studiengänge, die der fortschreitenden Ausdifferenzierung des Fachs Rechnung trägt, für unabdingbar. Mit ihrer zweiten Forderung nach einer engeren Verzahnung von Theorie und Anwendung in der Lehre, z.B. im Rahmen von Projekt-Seminaren, schließen sie sich einem Dialog an, der bereits auf der letzten Jahrestagung des Fachverbandes Kulturmanagement begonnen wurde.

Kompetenzen für Praxis und Studium

Der Band verfolgt nicht den Anspruch, eine eigene Wissenschaftstheorie für das Kulturmanagement zu entwickeln, sondern versteht sich vielmehr als ein Einstieg in zentrale Themen und Konzepte des Fachs. Daraus folgt auch, dass nicht alle Themenbereiche erschöpfend behandelt werden können und die Darstellung teilweise überblicksartig bleiben muss. Manche Themenbereiche, wie etwa der Weg von der Fragestellung zum konkreten Erhebungsinstrument, werden sogar ganz ausgespart.

Den Autoren gelingt es sehr gut, Anwendungsmöglichkeiten verschiedener Forschungsdesigns aufzuzeigen und auf diese Weise Berührungsängste im Umgang mit empirischen Methoden zu nehmen. Sie betonen die Notwendigkeit eines systematischen Forschungsvorgehens und sensibilisieren dafür, dass bei der Wahl des Erhebungsinstruments stets eine intensive – über den Band hinausreichende – Beschäftigung mit den Methoden nötig ist. Die Entscheidung für eine Erhebungsmethode dürfe weder beliebig noch in Abhängigkeit von den Wünschen der Kultureinrichtung getroffen werden, sondern solle stets reflektiert, nachvollziehbar und mit Blick auf die Forschungsfrage erfolgen.

Als Einführung enthält der Band außerdem zahlreiche Anknüpfungspunkte und nützliche Hinweise zu wichtigen Grundlagenwerken, Schriftenreihen und Fachzeitschriften, zu Onlineportalen, Forschungsinstituten und Verbänden im Bereich Kulturmanagement. Das macht ihn vor allem für Studierende zu einer wertvollen Fundgrube und Orientierungshilfe.

Kritischer Blick auf die Kulturmanagement-Forschung

Föhl und Glogner-Pilz richten immer wieder einen kritischen Blick auf die eigene Disziplin und weisen etwa auf fehlende Kontinuität in der Kulturmanagement-Forschung hin – eine Kritik, die angesichts immer wieder neuer Trendthemen im Kulturmanagement und fehlender Langzeitbetrachtungen durchaus berechtigt erscheint. Sie bemängeln, dass ForscherInnen nur selten bereits untersuchte Sachverhalte erneut aufgreifen, Untersuchungen mit zeitlichem Abstand wiederholen oder Forschungsthemen mit neuen empirischen Methoden bearbeiten.

Zudem fehle in vielen Arbeiten eine internationale Perspektive, die auch fremdsprachige Forschungsergebnisse einbeziehe. Umgekehrt sei deutschsprachige Forschung in der internationalen Diskussion nur wenig sichtbar, weil nur selten in englischer Sprache publiziert werde.

Fazit

Es ist eine Stärke der Einführung, dass die beiden Autoren ihren umfangreichen Erfahrungsschatz aus dem Hochschulkontext, aus Praxisprojekten und Auftragsforschung im Kulturbetrieb einbringen. Sie können sich sowohl bei ihrer Kritik als auch bei Vorschlägen zur Weiterentwicklung des Fachs auf diese Erfahrung stützen. Die Darstellung wird durch viele Beispiele ergänzt, was für Klarheit und Praxisnähe sorgt. An manchen Stellen wünscht man sich aber, dass Föhl und Glogner-Pilz nicht vor allem auf eigene Arbeiten verwiesen, sondern häufiger auch fremde Forschungsprojekte angeführt hätten. Das Buch verfügt über eine präzise, klare Sprache und ist sehr gut strukturiert, was eine flüssige Lektüre ermöglicht.

Die Leistung der Autoren besteht darin, das umfangreiche Thema der Kulturmanagement-Forschung in knapper Form zu fassen und gleichzeitig durch Literaturhinweise und Belege zahlreiche Anknüpfungspunkte für vertiefende Recherchen zu liefern. Diese Leistung wird auch dadurch nicht geschmälert, dass manche Fragen aufgrund der gebotenen Kürze nur gestreift werden können. „Kulturmanagement als Wissenschaft“ ist damit ein wichtiges Grundlagenwerk für Studierende und -Lehrende sowie für alle KulturmanagerInnen, die sich Wissenschaftsorientierung für eigene strategische Fragestellungen zu Nutze machen möchten.

Ellen Heidelberger ist akademische Mitarbeiterin am Institut für Kulturmanagement in Ludwigsburg. Ihre Arbeits- und Forschungsschwerpunkte sind Projektmanagement, Methoden empirischer Kulturforschung und Wissensmanagement im Kulturbetrieb.

Diese Rezension erschien zuerst im KM Magazin 04/2017.

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08.05.2017, Julia Jakob
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