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25. Juni 2017

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Konferenzbericht

Das erste stARTcamp in Wien – ein Nachbericht

Das erste österreichische stARTcamp fand am 23. August 2013 in Wien statt. Das innovative Format einer solchen, Barcamp oder Unkonferenz genannten Veranstaltung hat sich in Deutschland bereits etabliert. Auch in Österreich gab es rund 100 neugierige TeilnehmerInnen, die über verschiedenste Aspekte des Themas Social Media im Kulturbereich sprachen. Hierfür waren die stARTcamper aus den unterschiedlichsten Bereichen der österreichischen und deutschen Kulturszene nach Wien gekommen und repräsentierten Museen, Theater und Festivals. Auch Journalisten, Grafikdesigner und Studenten waren vertreten, während die wissenschaftliche Seite der Kultur leider nicht oder nicht erkennbar vertreten war. Trotzdem bereicherten alle TeilnehmerInnen den Tag mit ihren verschiedenen Blickwinkeln und Herangehensweisen und zeigten sich im Anschluss durchweg begeistert vom ersten stARTcamp in Wien.

Die charakteristische, namensgebende Eigenschaft einer Unkonferenz ist, dass sie sich gegen die gewöhnlichen Konferenzabläufe stellt: Sie hat kein festes Programm, keine vorher festgelegten Sprecher und auch nur selten ein eng begrenztes Thema. Stattdessen kann jede TeilnehmerIn zu Beginn Sessions zu Themen vorschlagen, die ihm oder ihr am Herzen liegen, Best-Practice-Beispiele vorstellen oder auch Probleme und offene Fragen  thematisierten. Dies kann in Form eines Vortrages geschehen. Gern gesehen sind auch Workshops und offene Diskussionen, die häufig gänzlich neue Facetten und Ideen ans Licht bringen. Dass daneben für KulturmacherInnen auch der Aspekt der Vernetzung interessant ist, betonten die beiden Organisatoren des stARTcamp Wien, Christian Henner-Fehr und Michael Wuerges,im Vorab-Interview mit Michaela Trauchburg-Taquez.

Bereits die Vorstellungsrunde am Morgen machte deutlich, mit welch unterschiedlichen Anliegen die TeilnehmerInnen nach Wien gekommen waren. Jeder von ihnen sollte sich mit drei Hashtags #, also Schlagworten vorstellen. Die meistgenannten waren Kreativität, Neugierde und Kommunikation – die typischen Charakteristika der Social-Media-Welt. Obwohl es für die Mehrheit der Gäste die erste Veranstaltung dieses Formats war, zeigte schon die Session-Planung, welch anspruchsvollen und vielfältigen Aspekten sich das stARTcamp an diesem Tag widmen würde. Dabei machte die Planung von jeweils drei parallelen Sessions die Auswahl nicht leicht. Umso intensiver wurde die Möglichkeit genutzt, sich in den Pausen über die Themen und Inhalte auszutauschen. Zudem dokumentierten einige fleißige Twitterer die Inhalte der Sessions. Zu finden sind ihre Gedanken unter dem Hashtag #scvie (stARTcamp Vienna) bei Twitter, facebook und Google+.

Zu den Eröffnungssessions gehörte unter anderem der Vortrag Social Impact Optimization (1) von Frank Tentler, der sich mit den Grundlagen der professionellen Social-Media-Kommunikation und deren Organisation über Social Web Command Center (2) beschäftigte. Dabei betonte er, dass das Social Web noch immer ein Ort der Privatsphäre und des Privaten ist, den man auch als Marketer achten muss. Die Kommunikation darf keine reine Verkaufssituation sein. Stattdessen ist es angeraten, sich auf die verschiedenen Formate und vor allem den Mobile-Markt einzustellen, die Meinungsführer für das eigene Thema zu finden und die neue schlagwortbasierte Kommunikation zu beachten. Für deren Planung ist der Impact zentral. In diesem Sinne waren auch die Sessions zu Storytelling und Facebook-Gruppen von Daniela Unterholzner vom Institut für Kulturkonzepte Wien der bestmöglichen Nutzung von Social Media für das institutionelle Marketing gewidmet.

Einen gänzlich anderen Bereich diskutierte hingegen Wolfgang Senges von C3S, der Cultural Commons Collecting Society, die sich als eine auf Creative-Commons-Lizenzen basierende Rechteverwertungsgesellschaft als Alternative zur GEMA etablieren will. Auch Wolfgang Gumpelmaier, der über die Crowd-University UnuniTV und das Thema Crowdfunding im Kulturbereich sprach, sowie der Digital Artist Alexander Mikula, der schon letzte Woche sein Wissen über „Treffpunkt Kulturmanagement teilte, bewegten sich mit ihren Sessions weg vom Thema Marketing hin zu nicht weniger interessanten Aspekten von Social Media.  

Gleiches gilt für Frank Tendler und Markus Kucborski. Ihre Sessions erschienen auf den ersten Blick recht techniklastig und thematisierten neben dem Schwerpunkt Mobile Geräte und dem Facebook Wifi die Entwicklung von SmartPlaces für das Museum der Zukunft. Dieser etwas abstrakt anmutende Begriff beinhaltet die Nutzung von location based Services (3) wie Foursquare auf der einen und Interaktions-Diensten wie Twitter auf der anderen Seite, um nicht nur das externe Marketing einer Kultureinrichtung durch Specials und Gamification-Aspekte zu verbessern, sondern auch die direkte Interaktion mit den Besuchern. Kostenloses (Facebook-)W-Lan ermöglicht es Einrichtungen mit Facebook Orten, die Besucherströme und -präferenzen der Nutzer zu rekonstruieren. Im Gegenzug werden den Gästen neben dem Internetzugang spezielle Dienstleistungen und Vergünstigungen angeboten, wenn sie die Institutionen weiterempfehlen, über sie berichten oder ihre Geschichten und Ideen mit ihnen teilen. Auch sollen nicht nur die jeweilige Institution und ihre Besucher, sondern auch die Besucher und Kultureinrichtungen untereinander vernetzt werden, um Gemeinsamkeiten aufzuzeigen, neue Interessen zu wecken und auf diese Weise mehr tatsächliche Aufmerksamkeit zu erhalten. Als herausragend innovatives Beispiel wurde das Kreativzentrum Dortmunder U vorgestellt. Das Erlebnis Kultur wird dort durch vielfältige Arten der Kommunikation und augmented-reality-Implementierungen (4) gänzlich neu definiert, um den derzeit noch recht passiven Kulturkonsumenten zu mehr Aktivität anzuregen und zu einem Prosumenten zu machen, dessen Wünsche für die Ausgestaltung der Kulturangebote eine aktivere Rolle spielen.

Insgesamt zeigte das erste stARTcamp in Wien den Willen und die Kreativität der anwesenden Kulturmacher, das Potenzial von SocialMedia zu nutzen. Nicht zuletzt die Session zur Frage nach dem „the next big thing after Facebook“ machte zudem deutlich, dass gesellschaftliche Entwicklungen und Bedürfnisse hierfür eine zunehmend große Rolle spielen. Thematisiert wurden unter anderem die zunehmende Spezialisierung der Online-Plattformen – sei es nach Interessensgebieten, nach Foto und Chat oder nach Altersgruppen – die neuer Marketingstrategien bedarf. Auch die Aspekte Datenschutz und Nutzbarkeit von Digitalisierungsprojekten, Werbung und Monetarisierung des Internet kamen auf. Sie alle sind zentral für die Zukunft von Social Media in Kultureinrichtungen. Die Ideen des Kulturbereiches und seine Realität klaffen aber vielfach noch stark auseinander. Dies zeigte sich auch an dem hohen Anspruch der Sessions des stARTcamps auf der einen und den vergleichsweise wenigen Anwesenden, die darüber auch twitterten, auf der anderen Seite. Nichtsdestotrotz erwies sich das stARTcamp Wien „als Mittel gegen Kulturpessimismus bei den Kulturmachern“, wie es eine TeilnehmerInnenin formulierte, und erfüllte damit seinen Anspruch allemal.

 

(1)    Social Impact Optimization meint die Verbesserung der Reichweite, Wahrnehmung und Reputation der eigenen Social Media-Aktivitäten über eine entsprechende Kommunikation, die auf Augenhöhe mit den Kunden interagiert, deren Interessen und Bedürfnisse ernst nimmt und in ansprechende, informative und unterhaltende Inhalte umsetzt.

(2)    Ein Social Web Command Center ist das zentrale Verwaltungs- und Analyse-Tool aller Social-Media-Aktivitäten eines Unternehmens oder einer Institution. Hier werden die verschiedenen Services wie Facebook, Twitter oder Blogs mit Inhalten befüllt und deren Output, also Klicks, Likes oder Kommentare, angezeigt. Dies macht entsprechende, zeitnahe Reaktionen und eine statistische Auswertung mit nur einem Werkzeug möglich.

(3)    Standortbezogene Dienste, sogenannte Location based Services, nutzen die Daten des mobilen Internet, um den Standort des Nutzers zu erkennen und diesem darauf basierende Informationen oder Dienste bereitzustellen. Dies können Sehenswürdigkeiten oder Lokalitäten sein, aber auch Navigationshilfen, spezielle Angebote oder Freunde in der Nähe.

(4)    Augmented-reality nennt man eine technikbasierte Realitätserweiterung, bei der Handys oder Tablets über Bild- und Raumerkennung in der Lage sind, Töne oder virtuelle zwei- und dreidimensionale Zusätze anzuzeigen, die zusätzliche Informationen, spielerische Effekte oder Orientierungshilfen bieten.

Fotos von Karola Rieger auf flickr
Blogbeitrag von Frank Tentler auf Echtzeitgeist
Blogbeitrag von Therese Zalud auf mqw.at

Informationen zu allen stART-Veranstaltungen gibt es auf ww.startconference.org/

Kristin Oswald
30.08.2013, Kristin Oswald
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