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21. Juli 2017

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Macht Kultur Einheit? Der 8. Kulturpolitische Bundeskongress zu 25 Jahren deutscher Einheit

Der 8. Kulturpolitische Bundeskongress findet vom 18.-19. Juni 2015 in Berlin statt.

Als das Zentrum für politische Schönheit zum 25. Jahrestag des Mauerfalls in einer Kunstaktion zum Abriss der EU-Außengrenzen aufrief und dafür die Kreuze der Mauertoten aus dem Regierungsbezirk entwendete, reagierte der Deutsche Bundestag mehrheitlich mit Bestürzung. Die Aktion machte indes klar: Im Kontext globaler Flüchtlingsströme, transnationaler Beziehungen und interkultureller Herausforderungen hat auch deutsche Kulturpolitik ihren Beitrag zu leisten. Auf dem 8. Kulturpolitischen Bundeskongress soll diskutiert werden, welche Hürden und Potentiale es hierfür gibt.

Der Kulturpolitische Bundeskongress hat es sich zur Aufgabe gemacht, aktuelle und kulturpolitisch relevante Themen öffentlich zu diskutieren und den unterschiedlichen Akteuren eine Plattform zur pluralistischen Meinungsbildung zu bieten. Der 8. Bundeskongress lädt vom 18. bis 19. Juni 2015 in Berlin ein, unter dem Titel „Kultur.Macht.Einheit?“ die Aufgaben von Kulturpolitik als Transformationspolitik vor dem Hintergrund des Einheitsjubiläums zu besprechen.

Neben vielen gesellschaftlichen An- und Umbauten zog die Wiedervereinigung auch kulturpolitische Veränderungen nach sich. Die Schaffung vieler bundesdeutscher Kulturinstitutionen kann mit der einheitsstiftenden Wirkung erklärt werden, die laut Artikel 35 des Einigungsvertrags der Kultur in Deutschland beigemessen wird. Das trug auch dazu bei, dass die Diskussion um die nationale Einheit und Identität lange Zeit unter der Bedeutungshoheit des Kulturbegriffs ausgetragen wurde. Im Zeichen dieser bundesdeutschen Logik von gesellschaftlicher und kultureller Einheit wurde etwa das Amt des Beauftragten für Kultur eingerichtet und ein Ausschuss für Kultur und Medien im Deutschen Bundestag gebildet. Auch die Gründung der Kulturstiftung des Bundes und die Einrichtung der Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland“ des Bundestages sind Ausdruck dieser Logik. Damit unterstrich die Politik wie wichtig es sei, die kulturelle Infrastruktur in den neuen Bundesländern auszubauen.

Doch die Herausforderungen einer flexiblen Kulturpolitik, die auf eine sich ständig verändernde Gesellschaft reagieren muss, beziehen sich längst nicht mehr nur auf die Wiedervereinigung. Aspekte der kulturellen Identität und des staatlichen Kulturauftrags können nicht mehr ohne den europäischen und globalen Gesamtzusammenhang behandelt werden. So stellt eines der Panels im Rahmen des Kulturpolitischen Bundeskongresses die Frage, ob die Formel der „Kulturnation“ im Kontext von Einwanderung und Globalisierung nicht überkommen ist und Platz machen muss für moderne Kulturkonzepte, sowie die Bedürfnisse einer vielfältigen Kulturlandschaft und Internationalität. Frédéric Martel wird hierzu am Auftaktabend über kulturellen Mainstream sprechen. So wird es eine wichtige Aufgabe der Kulturpolitik sein, die Balance zwischen einer Konservierung des kulturellen Erbes auf der einen Seite und Innovation und Transformation auf der anderen Seite auszuloten.

Transformation braucht vor allem Raum zu Gedankenexperimenten, den der 8. Kulturpolitische Kongress seinen TeilnehmerInnen geben möchte. In dialogisch gestalteten Panels und zehn parallelen Foren treffen zivilgesellschaftliche und kulturelle AkteurInnen sowie KulturpolitikerInnen zusammen. In diesem Rahmen soll über die Herausforderungen für die Kulturpolitik durch die kulturelle Globalisierung gesprochen werden. Im Zentrum stehen aber auch Fragen danach, wie sich Teilung und Einheit in kulturellen Strukturen heute noch greifen lassen, wie sie sich auf Rahmenbedingungen für künstlerische Arbeit, auf die Möglichkeiten politischer AkteurInnen bei finanzieller Unterstützung oder die Arbeitsbedingungen in Kultureinrichtungen auswirken – und Kulturpolitik die notwendigen Strategien von Change Management unterstützen kann. Unter dem Titel „Kulturlabor Ostdeutschland“ wird sich ein Panel etwa mit dem Innovationspotenzial und der „Offenheitsmentalität“ der neuen Bundesländer beschäftigen und dafür Landeskulturgesetze, Transformationsprozesse und neue Konzepte in der Kulturentwicklungsplanung vergleichen. Inwieweit solche Vergleiche übertragbar sind und welche Rolle die Zivilgesellschaft und die positiven Einflüsse der Einwanderungsgesellschaft auf den gesellschaftlichen Wandel spielen, muss dabei kritisch hinterfragt werden.

Der Kongress schließt mit zehn Thesen zur Zukunft der Kulturpolitik und stellt damit zur Debatte, ob die Kulturnation Deutschland innerhalb eines vernetzten Europas in ihrer heutigen Ausprägung nicht vielleicht ein Auslaufmodell darstellt.

Alle Informationen zum Programm und zur Anmeldung für den 8. Kulturpolitischen Bundeskongress finden Sie hier.

Weitere Beiträge zum Thema:

Konferenzbericht über die 9. Jahrestagung des Fachverbandes Kulturmanagement 2015 über interkulturelles Kulturmanagement

Hintergrundbericht von Patrick S. Föhl über »Kulturentwicklungsplanung« im Rahmen des 7. Kulturpolitischen Bundeskongresses

Beitrag von Patrick S. Föhl zu Themen und Kernfragen der Kulturentwicklungsplanung

Konferenzbericht zum Thema Kulturelle Vielfalt zwischen regionaler Identität und Globalisierung auf der 12. Tagung des Forums Kultur und Ökonomie

Ergebnisse der Kulturentwicklungsplanung am Beispiel der Modellregion Südthüringen

05.06.2015, Eva Göbel
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