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25. September 2017

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Porträt

Die beste Methode, um zu lernen. Wie der Orbanism-Award neue Veranstaltungskonzepte fördert

Der Orbanism-Award hat sich kreativen Eventformaten in Kultur und Medien verschrieben, die zwischenmenschlichen Kontakt in den Mittelpunkt stellen. Dabei kann es um Konferenzen gehen, aber auch um Formate im Marketing oder in der Kulturvermittlung. Wir haben mit Jurymitgliedern und ehemaligen Teilnehmern darüber gesprochen, was eine gute Kulturveranstaltung heute ausmacht.

Je mehr wir von Technik und vom Internet umgeben sind, desto stärker entdecken wir wieder den Menschen. Doch um Austausch neu zu gestalten und Menschen zusammenzubringen, braucht es Mut zum Ausprobieren und offenen Erfahrungsaustausch. Genau das möchte der Orbanism-Award fördern. Anstatt Einreichungen im Geheimen zu bewerten, werden alle Nominierungen veröffentlicht, sodass sich die Fachcommunity darüber vernetzen und anstecken lassen kann. Es geht also um das Miteinander, um gegenseitige Unterstützung und gemeinsamen Spaß. 

Aber funktioniert das? Ist Erfahrungsaustausch nicht vielfach auch von der Angst geprägt, Fehler zuzugeben, oder vom Geheimhalten des eigenen Erfolgsrezept? Und kann ein Preis überhaupt Netzwerke fördern oder dient er nur der Präsentation der eigenen Leistungen?

Markus Gogolin, Direktor des strategischen Marketings bei der Frankfurter Buchmesse, findet die Beschäftigung mit den Einreichungen für den Orbanism-Awards bzw. dessen Vorgänger, den Virenschleuderpreis, jedes Jahr aufs Neue bereichernd. Von Beginn an war er von der Idee begeistert, die Menschen hinter Veranstaltungen auf diese Weise zusammen zu bringen. 

„Da steckt Musik drin“, so sagt er, gerade weil es um unterschiedlichste Bereiche der Kultur und der Kreativwirtschaftsbranche geht. Sie begegnen sich sonst eher selten. Und das findet Gogolin schade, denn für ihn sind Vernetzung und Kollaboration „die besten Methoden, um zu lernen.“ Zwar sind Kooperationen in der Kultur gerade ein großes Thema. Oft werden deren kreatives Potential und die Spielräume, die sie eröffnen, aber zu wenig genutzt. Dabei ist für Gogolin, der ursprünglich aus dem Designbereich kommt, genau das der beste Garant für innovative Ansätze, auch im Kulturmanagement. „Es kommt immer auf die Rezeptur, den Mix und einen Schuss Mut und Kreativität an.“ Beim Orbanism-Award geht es deshalb um den Blick über den Tellerrand.

Für Wibke Ladwig, Expertin für kreative Kommunikation, spielt dabei „der Mut, auf Erfolgserwartungen zu verzichten und sich in den Fluss zu stürzen“, eine große Rolle. Sie nominierte vor einigen Jahren ein eigenes Projekt für den Virenschleuderpreis und saß später in dessen Jury. Ihr ging es bei ihrer Nominierung darum, anderen diesen Mut zu vermitteln. 

„Ich nehme seither den Preis gern zum Anlass, mir einen Überblick über Projekte des vergangenen Jahres zu verschaffen“, so Ladwig. Das ist ein wichtiger Aspekt des Orbanism-Award, denn Kulturschaffende investieren viel Zeit und Geld in die Entwicklung neuer Veranstaltungsformate. Dabei kann es Ressourcen sparen, sich über die Projekte und den Erfolg anderer zu informieren und von diesen inspirieren zu lassen. Das Rad muss nicht jedes Mal neu erfunden werden. Wichtiger, das betont auch Ladwig, ist zu wissen, wie sich das Feld verändert, in dem man sich bewegt, und welche Prozesse dahinter stehen. Dabei können auch die Erfahrungen anderer helfen, ein Gespür für Dynamiken zu entwickeln. 

Oftmals sind es auch nicht die teuersten und aufwendigsten Projekte, die „wirklich eine Community erreichen und überzeugen“, weiß Ladwig aus Erfahrung. „Insofern landen in den Nominierungen auch immer wieder Projekte, die ohne oder mit geringem Budget, aber mit viel Herzblut vorangetrieben wurden.“ Hier hilft der Orbanism-Award, Geldgeber, Vorgesetzte oder auch Jurys von der Wirkkraft kleinerer Projekte zu überzeugen und auch davon, das vorhandene Geld in gute Gehälter für die beteiligten Kreativen oder ins Marketing zu investieren. „Oft merkt man, dass es vor allem um Geld und Pressemeldungen geht. Hierbei vermisse ich oft, dass sich jemand Gedanken darüber macht, was diese Veranstaltungen besonders und eigen machen könnte, so dass sie Menschen bereichert“, so Ladwig. Auch dabei kann die Beschäftigung mit den Nominierungen des Orbanism-Award helfen und macht dessen Offenheit so wertvoll. Das bestätigt auch Susanne Kasper, Inhaberin einer Agentur für Networking und Social Media in der Buchbranche und Jurymitglied beim Award: „Das Konzept des Preises überzeugt mich auf allen Ebenen, weil es Kreativität ganz besonders anerkennt und das ganz unabhängig von großen Marketingbudgets.“ 

Daneben macht für sie die Tatsache, dass auch die Community Projekte nominieren und bewerten kann, das Besondere am Orbanism-Award aus. Denn damit werden andere Kriterien wichtig als bei klassischen Preisverleihungen im Kulturbereich. Und das „erweitert den Horizont und dient als Inspirationshilfe für kreative Ideen“, so Susanne Kasper. Anstatt auf Althergebrachtes zu vertrauen, ginge es darum, Weiterentwicklung zu beschleunigen und die eigene Komfortzone zu verlassen. „Wir bremsen uns gegenseitig aus, wenn wir darauf bauen, dass Strategien immer wieder auf die gleiche Art und Weise funktionieren“, fasst sie zusammen. Deshalb steht der Orbanism-Award für etwas, dass sich die Kultur seit jeher auf die Fahnen schreibt: Die Welt ein Stück weit zu verändern und zu verbessern.

Nominieren können Kulturschaffende und Kultureinrichtungen eigene Veranstaltungsformate und die Events anderer noch bis zum 25. September. Die Teilnahme ist kostenlos und unkompliziert. Nach der Nominierungsphase wird je Kategorie eine Shortlist von je 5 Nominierungen erstellt. Das Auswahlkriterium ist die Beliebtheit der Beiträge gemäß der jeweiligen Anzahl der Facebook-Likes. Aus den Shortlists wird dann für jede Kategorie ein Preisträger von der Jury gewählt.

Aber ist es nicht peinlich, öffentlich nominiert zu werden und dann nicht zu gewinnen? Kasper hat bereits einen Virenschleuder-Preis gewonnen. Das machte ihre Arbeit natürlich sichtbarer. Wichtiger war für sie aber der Lerneffekt, der „mit mehr Aufmerksamkeit oder zusätzlichem Netzwerken nicht aufzuwiegen ist“.

Alle Informationen zum Orbanism-Award finden Sie hier

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Kristin Oswald
04.09.2017, Kristin Oswald
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