10.12.2009

Autor*in

Claudia Brinker
Rückblick Tagung Deutscher Orchestertag 2009

Fit für die Zukunft?

Zum siebten Mal tagte der Deutsche Orchestertag (DOT) am 1. und 2. November in Berlin. In diesem Jahr lautete das Thema des Branchentreffs Fit für die Zukunft. In Vorträgen, Podiumsdiskussionen und Workshops lag der Schwerpunkt auf Themen zu gesundheitlichen Aspekten im Orchesterleben, Stressbewältigung oder Teamarbeit, wobei auch das aktuelle Thema Schweinegrippe nicht ausgelassen wurde.
Zwar ist die Wahl des Themas im Kontext der früheren Orchestertage (2008- Zeitmanagement) schlüssig, jedoch liegt die Vermutung nahe, dass man sich kurz vor Abschluss des neuen Tarifvertrags für Kulturorchester (TVK) im Dezember bewusst für eine unpolitische Themenstellung beim Kongress entschieden hatte.

So war für den Eröffnungsvortrag der Sportpsychologie Prof. Dr. Hanno Strang, Direktor des Instituts für Sportpsychologie an der Humboldt Universität Berlin, geladen, der basierend auf dem Satz der Fußballikone Adi Preißler Wichtig ist aufm Platz aufzeigte, wie bei dem Umgang mit Leistungsdruck Parallelen von der Sportpsychologie zum Musikbereich gezogen werden können.
Die anschließende Podiumsdiskussion der beiden Tarifpartner Rolf Bolwin, geschäftsführender Direktor des Deutschen Bühnenvereins und Gerald Mertens, Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung (DOV), verlieh dem Kongress dann doch noch eine kulturpolitische Note. Kundig und kurzweilig moderiert von dem Düsseldorfer Journalisten Wolfram Goertz, wurde über die Zukunft der Orchesterlandschaft in Deutschland diskutiert.

Grundsätzlich einig waren sich die beiden Vertreter von DOV und Bühnenverein in ihrem Appell, die über 10 000 Planstellen in den deutschen Orchestern unbedingt zu halten. Bolwin: Wir wollen alles dafür Notwendige tun, möglichst viele Arbeitsplätze zu bewahren. Darin sind wir uns einig, das Problem ist die Ausgestaltung. Damit streifte die Diskussion am Rande unterschiedliche Positionen in den zähen Verhandlung über den neuen TVK. Gemeinsam diskutiert wurde die Frage nach dem Stellenwert der neuen Musik, die vor allem im Konzert einen festen Platz einnehmen müsse, um das Publikum langfristig zu motivieren. Abschließend ging es um die im Zuge der Pisa-Studie ver-stärkte Wahrnehmung der Education-Programme von Orchestern. Viele Rechtsträger, so Rolf Bolwin, machten ihre Zahlen davon abhängig, wie viel Education von den Orchestern angeboten würde. Es sei eine hochgradig gefährliche Entwicklung, wenn diese Aufgaben aus dem künstlerischen Etat geleistet werden müssten. Die Politik müsse eine klare Struktur aufbauen, anstelle diese Aufgabe allein den Orchestern zu überlassen.

Fester Bestandteil der Orchestertagsdramaturgie ist seit Anbeginn ein Angebot an Workshops, in denen die Manager in kleinen Gruppen aktiv die Themen vertiefen.
Der Bereich Gesundheit nahm entsprechend des Kongress-Themas in diesem Jahr in den Workshops einen besonderen Stellenwert ein. Prof. Dr. Ulrich Keil aus Münster, Leiter des Instituts für Sozialmedizin und Epidemiologie, wies in einem sehr allgemein aufgebauten Vortrag und Workshop auf den wichtigen Stellenwert der Prävention durch die richtige Ernährung, körperliche Aktivität und Nicht-Rauchen hin. Fragen zum aktuellen Thema, dem Umgang im Orchester mit der bereits genannten Schweinegrippe, beantwortete seine Kollegin Dr. Angela Spelsberg. Sie vertrat die Ansicht, dass eine Impfung für Orchestermitglieder nicht notwendig sei, da der Typ der Influenza-A-H1N1 kein neues Virus darstelle und zudem die Zusatzstoffe der Impfung nicht erforschte Nebenwirkungen auslösen könne.

Weitere Workshops leiteten der Trainer und Berater Christian Wierlacher über Coaching in Führungssituationen sowie der Fachmann für Changemanagement Dr. Stefan Fourier. Wie in den Vorjahren informierten die beiden Bühnenvereinsjuristen Robert Kuth und Michael Schröder über aktuelle Rechtsfragen. In einer gesonderten Informationsveranstaltung will der Bühnenverein im Dezember seine Mitglieder über die Inhalte des neuen TVK informieren. Mit Beginn der Spielzeit 2010-2011 soll der Tarifvertrag dann in Kraft treten.

Seit der Gründung versuchen die Organisatoren des DOT mit dem knapp zweitägigen Programm einen Kompromiss zwischen einem Branchentreff, einer kulturpolitischen Veranstaltung und den berechtigten Wünschen nach Fortbildungsangeboten für Orchestermanager zu schließen. Dabei hat der Orchestertag in den letzten Jahren immer weiter an kulturpolitischer Brisanz verloren. Eine Entwicklung, die gerade im Hinblick auf die Kürzungen des Kulturetats in zahlreichen Kommunen korrigiert werden sollte. Leider fehlte in diesem Jahr der Blick über den Tellerrand.Bisher hatte ein Vertreter einer ausländischen Orchestervereinigung über die Situation in seinem Land referiert.
 

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