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27. April 2017

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Porträt

Wie Ford Zeit und Expertise in Kultur investiert

Mit dem unternehmenseigenen Volunteering-Programm engagiert sich Ford unter anderem als „Zeitspender“. Für die Kultur beinhaltet das Programm etwa „Kunst statt Büro“. Hier können sich Beschäftigten während der Arbeitszeit ehrenamtlich betätigen. Das Beispiel zeigt, dass Sponsoring-Kooperationen nicht nur Geld, sondern auch Expertise und Zeit umfassen können.

Dieser Beitrag gehört zur Reihe „Kultursponsoring“ von Kulturmanagement Network.

Zeit und Expertise: unterschätzte Ressourcen 

Kunstprojekte wollen finanziert sein, doch Geld ist nicht alles. Es lohnt sich, den Blick auch auf Zeit und externe Expertise als wertvolle Ressourcen und Erfolgsfaktoren zu richten. Ford setzt hier an und unterstützt die Kulturszene mit fachlicher Expertise und Sachleistungen, vor allem mit Mobilität. Zudem macht es das eigene Volunteering-Programm „Community Involvement“ Ford-Beschäftigten möglich, bis zu 16 Stunden pro Jahr ihrer bezahlten Arbeitszeit in die Gesellschaft zu investieren. 

Das Künstlerisch-Gestalterische fasziniert gerade Menschen aus nicht-kreativem Berufskontext. Deren Wissen, Talente und Neugier geben der Kulturlandschaft neue Impulse. Betriebswirte, Juristen, Ingenieure, IT-Experten oder Meister liefern mit ihrem Know-how wertvolle Anregungen und entwickeln kreative Lösungen auch für profane Projekt-Details. 

Der intensive Austausch der „zwei Welten“ Kultur und Wirtschaft bedeutet zum einen Perspektivenwechsel für alle Beteiligten und zum anderen gemeinsame Erfolgserlebnisse und Glücksmomente. In einer Richtungsgemeinschaft aus Kulturwelt und Wirtschaftsleben entsteht das gute Gefühl, gemeinsam etwas Sinnvolles geschaffen zu haben. Dieses informelle Lernen bereichert berufliches wie privates Leben, erweitert Kompetenzen, die Motivation und Zufriedenheit von Mitarbeitern wachsen. Das Unternehmen gewinnt an Profil und Reputation. Kulturarbeiter und ihre Projekte wiederum erhalten neuen Schwung. Wer hier nicht mitspielt, verschenkt Potenziale und verzichtet auf gesellschaftlichen Nutzen. 

Praktische Hilfe für konkrete Projekte 

Bildende und darstellende Künstler unterstützt Ford personell sowie mit Mobilität, sei es für Transporte von Kunstwerken, Musikinstrumenten oder der Mitwirkenden selbst. Shuttle-Service zu Kultur-Events hat bei Ford gute Tradition. Seit 2007 wird in Kooperation mit den Maltesern beim „Kulturbegleitdienst“ Senioren eine aktive Teilhabe am kulturellen Leben durch Besuche von Museen, Theater, Konzerten oder themenbezogenen Stadtbesichtigungen ermöglicht. 

Wie abseits des Monetären das Wechselspiel zwischen Kunst und Wirtschaft funktionieren kann, verdeutlicht die bewährte Praxis von Ford. Als „Art Guides“ bei „new talents – biennale cologne“ helfen Mitarbeiter Kunstakademie-Absolventen, ihre Kunstwerke bekannt zu machen. Künstlerische Intentionen zu vermitteln, ist auch Ziel thematischer Sonderausstellungen an besonderen Orten, z.B. die auf gesellschaftliche Teilhabe älterer Menschen fokussierte Ausstellungsreihe „Wandlungen“ im Waagehaus auf dem Gelände der Sozial-Betriebe-Köln. Daneben ist Erste Hilfe für Kulturgüter Ehrensache. Diese leisteten 150 Ford-Beschäftigte spontan nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs im März 2009 bei der Aufbereitung geborgener Archivalien. 

Freiluft-Experiment: Zeit für die Kunst 

Der Landschaftskünstler Ralf Witthaus aktivierte 2010 mit seiner FreiluftKunst den „Homo ludens@Ford“. Gesucht: Freiwillige für die „Bundesrasenschau“ in Köln. Das Kölner Grünsystem ist einzigartig in Europa und das sollte bekannter werden. Das Kultur- und das Grünflächenamt der Stadt waren ebenfalls eingebunden. Der Kölner Künstler gestaltete den inneren Kölner Grüngürtel künstlerisch mit einem neuen, aber vergänglichen, per Rasenmäher gezeichneten Weg um. So entstand temporär eine neue Seherfahrung auf die scheinbar so vertrauten Parkanlagen. Rund zwei Dutzend Ford-Beschäftigte waren dabei aktiv und entwickelten nebenbei neue, effizientere Mähtechniken. Parallel entstand ein öffentliches Dialogforum und dieses ökologische Kunstprojekt entwickelte eine mitreißende Eigendynamik. 2012 legte Witthaus seine erste „Internationale Rasenschau“ nach und realisierte – erneut von Ford personell und logistisch unterstützt – eine symbolische Erddurchbohrung von Löhne/Ostwestfalen bis ins neuseeländische Auckland. 

Das A und O: Die Partnerschaften 

Für erfolgreiche Kooperationen mit der Wirtschaft gibt es für Kunst-/Kulturschaffende einige Grundprinzipien: 

  1. Überzeugendes Konzept, auch Kurzfassung zu „Was, Warum, Wer, Wie, Wann“. 

  2. Wünsche und Erwartungen im Klartext: „Was wird benötigt und wofür?“ 

  3. Drei sauber getrennte Spielfelder: a) Geld, b) Zeit/ Expertise, c) Sachleistungen. 

  4. Zielgerichtete Suche nach Kooperationspartnern. 

  5. Gespräche auf Augenhöhe „von Mensch zu Mensch“. 


KulturPaten-Werkstatt schmiedet Partnerschaften 

Wenn Inhalte und Dynamik stimmen, kann es schnell gehen. Partnerschaften können über Netzwerke für Wirtschaft und/ oder Kultur angebahnt werden. Prototypisches Beispiel hierfür ist der Kölner KulturPaten e.V., der kulturelles Engagement von Unternehmen für die Kulturszene seit 2002 nutzbar macht. Seit 2009 ist Ford KulturPate und geht „Eine Idee weiter“ mit dem innovativen Format „KulturPaten-Werkstatt“. Hier wird in persönlicher Begegnung schnell klar, wer gut zusammen passt. 

Dieses Format von Austausch und „Partnerschafts-Anbahnung“ hatte im März 2012 seine erfolgreiche Premiere. Unter dem Motto „Kräfte bündeln, gemeinsam mehr gestalten“ präsentierten drei Künstler(gruppen) ihre Projekte und fokussieren ihren Bedarf an konkreter Unterstützung. Dieses Forum mit einem Zeitbudget von rund einer Stunde inklusive Moderation und Diskussion lieferte den perfekten Einstieg in vertiefende Einzelgespräche. So ist Abwechslung, Spannung und Intensität garantiert. Bei den anschließenden Werkstatt-Gesprächen werben weitere Künstler für Kooperationen. Lebhafter Austausch mündete in zahlreichen „Abschlüssen“ vor Ort; und eben dieser war gezielt gewählt: Das Kölner Ford-Autohaus Strunk stellte seinen der Auto-Werkstatt benachbarten Schauraum zur Verfügung, um Partnerschaften von Kultur und Wirtschaft zu schmieden. 

Ein solcher Erfolg verlangt nach Fortsetzung und Fortpflanzung. Kopieren ist erlaubt und erwünscht. Ein Werkstatt-Konzept für „Kulturvermittlung“ lässt sich auch im kleinen Stil als Erfolgsmodell realisieren. Das verkürzte Kochrezept lautet: Künstler und Unternehmen einladen, Projekte und Akteure stehen im Vordergrund, kunstvoll moderieren, prägnant präsentieren, Gespräche anstoßen und laufen lassen. Partnerschaften ergeben sich – als Liebe auf den ersten oder zweiten Blick. 

Dr. Wolfgang Hennig 
verantwortet seit 2008 das Volunteering-Programm der Ford-Werke GmbH innerhalb seiner europäischen Funktion für Sustainability Strategy und initiierte 2012 die KulturPaten-Werkstatt. Jährlich rund 100 soziale, ökologische und kulturelle Projekte spiegeln die große Engagementbreite wider. Hierfür wurde Ford mehrfach ausgezeichnet. 

Dieser Beitrag erschien zuerst im KM Magazin „Unternehmerische Kulturförderung“ 

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Wolfgang Hennig
10.03.2017, Kristin Oswald
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