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24. März 2017

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Serie Berufsbilder

Das Berufsbild der Museumsleiterin

© Pixelio -Gabriele Planthaber

In dieser Serie stellen wir in Interviewform Fach- und Führungskräfte aus den verschiedenen Berufsbildern des Kulturmanagements vor. Heute: Sigrid Prader, Leiterin des Frauenmuseums Meran (Südtirol)

 KMN: Können  Sie uns etwas über ihre Berufslaufbahn erzählen?

Sigrid Prader: Mein erster Beruf war Lehrerin. Nach ca. 15 Jahren in diesem Beruf habe ich beschlossen außerhalb des Unterrichts tätig zu werden. Ich bildete mich im Bereich der Gesundheitserziehung und Präventionsarbeit weiter. Anschließend war ich 10 Jahre im Schulamt tätig. Dort sammelte ich erste Erfahrungen im Bereich des Projektmanagements. Berufsbegleitend studierte ich in Innsbruck Bildungsmanagement und Erwachsenenbildung.

Der Kulturbereich hat mich schon immer interessiert. Aus diesem Grund engagierte ich mich nebenher ehrenamtlich im Frauenmuseum Meran. 2005 trat dann die damalige Leiterin zurück und ich übernahm die Leitung des Frauenmuseums.

KMN: Was macht für Sie die Arbeit im Frauenmuseum aus?

Sigrid Prader: In diesem Museum steckt ein großes Potential. Das inspiriert mich. Das Museum als kleiner NPO-Verein bietet gewisse Freiheiten, Ideen kreativ umzusetzen. Andererseits ist es herausfordernd, mit begrenzten finanziellen Ressourcen zu planen und Projekte umzusetzen.

KMN:
Können Sie für uns die Entwicklungen des Frauenmuseums schildern?

Sigrid Prader: Das Frauenmuseum Meran wurde 1988 von einer leidenschaftlichen Sammlerin gegründet. Damals haben viele über dieses Nischenmuseum gelacht. 1993 wurde ein Verein gegründet. Frauen mit unterschiedlichen Kompetenzen trafen zusammen, engagierten sich für die Weiterentwicklung des Frauenmuseums.

Um das Thema in der Südtiroler Öffentlichkeit zu positionieren, riefen wir 1998 das »Jahr der Frauenkultur« aus. Wir kooperierten mit ca. 25 Institutionen und Organisationen und organisierten Veranstaltungen zu frauenspezifischen Themen. Alle Augen waren auf uns gerichtet.

Der zweite große Schritt war die Übersiedelung 2010 in größere Räumlichkeiten. Sie bieten uns Platz, zu jeder Ausstellung ein vielschichtiges Vermittlungsprogramm anzubieten. Die kontinuierliche Weiterentwicklung und Reflexion sind uns sehr wichtig. Viele internationale Gäste konnten wir in den letzten Jahrzehnten für uns gewinnen. Im Jahr 2012 kamen z.B. Monika Hauser, Gründerin von Medica Mondiale, Agnes Heller, eine der größten lebenden Philosophinnen mit 90 Jahren, eigens für eine Diskussionsveranstaltung nach Meran.

KMN: Sie sagen, internationale Vernetzung ist Ihnen wichtig. Ist das Frauenmuseum Meran international tätig?

Sigrid Prader: Wir haben 2008 die Gründung des internationalen Netzwerkes der Frauenmuseen initiiert. Zu unserem 20jährigen Jubiläum haben wir ca. 40 Frauenmuseen recherchiert und in Meran den ersten internationalen Kongress der Frauenmuseen veranstaltet. Es war eine sehr bereichernde Veranstaltung. Die VertreterInnen kamen aus dem europäischen Raum, Vietnam, China, Nord- und Südamerika, Senegal und Australien. Schirin Ebadi, Friedens-Nobelpreisträgerin, übernahm die Schirmherrschaft des Netzwerkes.

Nach diesem Kongress gab es weitere Treffen in Bonn, Buenos Aires und Australien. Unser Mitglied Elke Krasny , Kulturtheoretikerin und Preisträgerin des outstanding artisti award’ 2011 für  Frauenkultur, initiierte auch eine große Tagung in Wien. Der Tagungsband wird Anfang 2013 erscheinen.
Der aus diesem ersten Kongress entstandene Verein mit einer internationalen Resolution hat das Ziel, die Geschichte der Frauen in den Frauenmuseen sichtbar zu machen und internationale Symposien zu organisieren, um zu verdeutlichen, wie wichtig Frauenmuseen für die Geschichte sind.

Dieses internationale Netzwerk gibt uns auch die Möglichkeit, EU-Projekte einzureichen. Derzeit planen wir ein Projekt in Kooperation mit Rom, Norwegen, Schweden, Spanien und Albanien. Wir wünschen uns sehr in Zukunft auch die finanziellen Ressourcen zur Verfügung zu haben, um eine professionelle Kulturmanagerin anzustellen.

Seit 2008 vergeben wir auch den Menschenrechtspreis für Frauen, die sich für ihre Rechte einsetzen. Mit den Frauen im Iran sind wir stark verbunden, da sie durch ihre politische Arbeit für die Demokratisierung des Landes verfolgt und auch inhaftiert werden. Dazu haben wir  einen Dokumentar-Film »Frauenaktivistinnen im Iran und die Brücken zu Südtirol« gedreht.

KMN: Welche Aufgaben fallen in Ihren derzeitigen Tätigkeitsbereich?

Sigrid Prader: Ich muss sehr viele Bereiche abdecken, da wir ein kleiner Verein sind: Meine Tätigkeit erstreckt sich über Organisation unserer Veranstaltungen und Ausstellungen, Budgetierung, Planung, Strategieentwicklung, Marketing, aber auch die Koordinierung unseres Umbaus. Netzwerken, Beziehungen aufbauen und pflegen, sowie kreatives Denken sind in diesem Bereich enorm wichtig.

KMN: Haben Sie einen Wunsch an junge KulturmanagerInnen - einerseits an die Personen, andererseits an die Ausbildung, die ihnen zuteil werden sollte?

Sigrid Prader: Gute Theorie ist sicher wichtig, aber die Praxis ist natürlich von eminenter Bedeutung. Ich empfehle jungen Menschen, die in den Kulturbereich einsteigen möchten, mehrere Monate in einem Betrieb mitzuarbeiten, um den Ablauf und die Mechanismen kennen zu lernen. Natürlich sollte man sich auch in der jeweiligen Region gut auskennen, z.B. wissen, wie die Gemeindeverwaltung funktioniert, wo man um Förderungen ansuchen kann. Kontinuierliche und praxisnahe Weiterbildung ist von großer Bedeutung.

Frauenmuseum Meran:
www.museia.it

Im November 2010 erschien im KM Magazin ein Schwerpunkt »Frauen - they can do it!« mit weiteren spannenden Beiträgen zu diesem Thema: www.kulturmanagement.net/downloads/magazin/km1011.pdf

Daniela Unterholzner
30.01.2013, Michaela von Trauchburg
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