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26. Juni 2017

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Serie Berufsbilder

Das Berufsbild der Chormanagerin

© Pixabay / Nemo

Für die Serie „Berufsbilder“ interviewen wir Fach- und Führungskräfte aus verschiedenen Tätigkeitsfeldern des Kulturmanagements. Heute stellen wir mit Susanne Eckel einen Beruf vor, der so an deutschen Hochschulen gar nicht ausgebildet wird: Chormanagement. Seit 2014 ist Susanne Eckel Managerin des Deutschen Jugendkammerchors, dabei hatte sie früher ganz andere Berufswünsche.

KMN: Frau Eckel, können Sie uns Ihre wichtigsten beruflichen Stationen beschreiben? Welche haben Sie auf besondere Weise geprägt?

SE: Das Chormanagement des Deutschen Jugendkammerchores ist meine erste berufliche Station abseits von Ehrenamt oder Nebenjobs während des Studiums. Geprägt bisher hat mich aber die Vielfalt an Aufgaben, die ich vor dieser Stelle hatte.

Als Kind hatte ich immer wieder wechselnde Berufsvorstellungen. Nach dem Abitur habe ich angefangen, Chemie zu studieren mit dem Ziel, in die Forschung zu gehen. Die engere Zusammenarbeit mit Menschen hat mir aber sehr gefehlt, sodass ich zu Musik gewechselt habe. Der Beruf des Chormanagers hat sich erst im Laufe des Studiums herauskristallisiert.

Ich habe in Chören, in denen ich gesungen habe, Vorstandsarbeit geleistet, Anträge auf Förderungsgelder geschrieben, die Verwaltung der Chormitglieder übernommen und Konzertprogramme in Kooperation mit dem Chorleiter entworfen. In meiner eigenen Tätigkeit als Chorleiterin gab es zwar einen Vorstand, der mir einige organisatorische Aufgaben abgenommen hat, allerdings lag die meiste Arbeit der Organisation, Verwaltung, Planung und Überprüfung bei mir. Auch habe ich hier wie in meiner Tätigkeit als Chorsängerin und Stimmbildnerin viel über das Wesen eines Chores, die Bedürfnisse und Eigenarten gelernt; dieses Wissen hilft mir jetzt in der Planung und im Umgang mit den ChorsängerInnen.

Daneben habe ich durch Gremienarbeit an Uni und Hochschule Erfahrung in Kommunikation und Entscheidungsfindung sammeln können, als Tutorin in der Lehre gearbeitet, für jeden neuen Erstsemester einen geeigneten Stundenplan zusammengestellt und damit in puncto Organisation und Koordination viel lernen können.

In meinem letzten Studiensemester habe ich angefangen, für den Deutschen Jugendkammerchor zu arbeiten: Der Übergang von Studium zu Beruf war also sehr geschmeidig. Zum Deutschen Kammerchor direkt hatte ich keinen Kontakt, aber zur Geschäftsstelle des Deutschen Chorverbands und der Deutschen Chorjugend, wodurch ich auch von der Ausschreibung für die Stelle des Chormanagements erfahren habe.

KMN: Welche Aufgaben fallen in Ihren derzeitigen Tätigkeitsbereich? Welche erfüllen Sie dabei mit besonderer Freude, welche stellen auch Herausforderungen dar und warum?

SE: Das Management des Deutschen Jugendkammerchores umfasst:
•    Programmplanung gemeinsam mit dem Dirigenten
•    Konzertakquise
•    Budgetplanung
•    Akquise von Drittmitteln
•    Verwaltung der ChorsängerInnen und Gewinnen von neuen geeigneten Choristen
•    Öffentlichkeitsarbeit generell und projektbezogen (Konzertbewerbung o.ä.)
•    Aufbau des Netzwerkes

Auch wenn der Beruf der Chormanagerin viel Organisationstätigkeit enthält,  die wahrscheinlich ähnlich ist wie bei anderen, musikfernen Tätigkeiten, beinhaltet er auch Musik und als passionierte Sängerin gibt es Momente, in denen ich es schade finde, nicht selber singen zu können. Allerdings stehe ich in der Planung in engem Kontakt zum Chorleiter, Florian Benfer, mit dem ich mich über kommende Projekte austausche und über musikalische Aspekte wie Stückauswahl, Dramaturgie, Besetzung und Richtung des Ensembles rede.

KMN: Welche Aspekte Ihrer Ausbildung waren für Ihre berufliche Laufbahn hilfreich? In welchen Bereichen müssten Hochschulen – etwa in Hinblick auf die Unterschiede zwischen idealtypischen Aufgaben und individuellen Anforderungen im Kulturbetrieb – in ihrem Ausbildungsprogramm nachjustieren?

SE: Musikalische Fähigkeiten und Wissen um Chorrepertoire und Chorsingen sind auch für das Chormanagement sehr wichtig. Durch das breit angelegte Schulmusikstudium habe ich sowohl Chorleitung als auch Gesang als Schwerpunkte im Studium gehabt und das Metier kennengelernt. Die meisten Fertigkeiten, die jetzt relevant sind, habe ich jedoch außerhalb der Hochschule erlernt, etwa durch das Singen in mehreren Chören und Ensembles auf hohem Niveau, durch die Leitung eigener Chöre, womit auch immer deren Organisation verbunden war, oder durch Vorstandstätigkeit in den Chören, in denen ich gesungen habe. So habe ich einen sehr guten Einblick in die Bedürfnisse, Anforderungen und Besonderheiten von Chor und ChorleiterInnen bekommen können.

Im Berufsalltag lässt sich nicht alles vorher Erfahrene direkt anwenden, jeder Chor ist neu und die Anforderungen individuell. Durch Learning by doing, Absprachen mit KollegInnen und Kontakt zu anderen Chormanagern war die Einarbeitung in das Berufsfeld aber trotzdem gut möglich.

KMN: Gab es Situationen in Ihrer Karriere, in denen Sie das Gefühl hatten, das Ziel nicht mehr zu erreichen? Welchen Rat können Sie jungen KulturmanagerInnen in solchen Situationen mit auf den Weg geben?

SE: Dazu kann ich noch nicht viel sagen, da ich selber noch am Anfang meiner Karriere stehe. Ich bin offen und vorurteilsfrei an die Tätigkeit des Chormanagements herangegangen. Es ist allerdings auch ein so kleines Berufsfeld, dass ich im Vorfeld noch gar nicht recht im Kontakt mit professionellem Chormanagement gekommen war, bevor ich angefangen habe, selbst darin zu arbeiten. Viele meiner ehemaligen Kommilitonen sind mittlerweile an der Schule als ReferndarInnen. Es gibt allerdings einige, die sich im Master anders orientiert haben und mittlerweile SängerInnen, ChorleiterInnen, MusiktheoretikerInnen, InstrumentalpädagogInnen oder WissenschaftlerInnen sind. Im Kulturmanagement oder gar im Chormanagement ist allerdings keiner gelandet.

Susanne Eckel wurde schon früh durch ihr musikalisches Elternhaus geprägt. Nach dem Chemiestudium an der Universität Göttingen nahm sie an der Hochschule für Musik, Theater und Medien die Schulmusikausbildung mit den  Schwerpunkten Gesang, Klavierspiel, Chorleitung und Musiktheorie auf. Eigener Chorgesang, Chorleitung und die Organisation von Ensembles vertiefte sie durch verschiedene Tätigkeiten während des Studiums und schärfte so ihre chorbezogenen Kompetenzen. Seit 2014 ist Susanne Eckel Managerin des Deutschen Jugendkammerchors.

 

Mehr Beiträge zum Thema:

Hintergrundbericht zu Chormanagement und Weiterbildungsmöglichkeiten

Studiengänge zu Musikmanagement in unserem Ausbildungsführer: Musik-Management in Bern, Musik- und Eventmanagement in Berlin, Kultur- und Musikmanagement in München

Das Berufsbild des Controllers für Kulturbetriebe

Susanne Eckel
17.06.2015, Eva Göbel
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