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21. August 2017

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Porträt

Vertrauen ist die Währung am Theater. Interne Kommunikation an der Oper Stuttgart

Staatstheater Stuttgart @ Martin Sigmund

Ohne eine gute Binnenkommunikation gibt es auch keine effektive Außenkommunikation in Kulturbetrieben – sagt einer, der sich mit dem Thema auskennt: Thomas Koch, Kommunikationsdirektor an der Oper Stuttgart und langjähriger Dozent für PR und Kommunikationsmanagement.

Dieser Beitrag gehört zur Reihe „Interne Kommunikation“ von Kulturmanagement Network.

Als im Oktober 2015 die rund 4000 Teilnehmer einer „Demo für alle“ gegen die Aufnahme sexueller Vielfalt in den neuen baden-württembergischen Bildungsplan vor dem Stuttgarter Opernhaus standen, sorgten dessen Mitarbeiter für eine farbenfrohe Überraschung: Um nicht kommentarlos als Kulisse für diese Initiative gegen Gleichberechtigung herhalten zu müssen, entrollten sie an der Fassade ein riesiges Regenbogenbanner mit der Aufschrift „Vielfalt.“ Die Frage, ob ein Staatsbetrieb auf diese Weise Flagge zeigen darf, wurde anschließend im Landtag eifrig diskutiert. Aus dem Opernhaus und den zuständigen Ministerien ließ man verlauten, es habe sich um „eine soziale Plastik in einem transformativen Prozess“ gehandelt, ganz im Sinne Joseph Beuys‘ – Performance-Kunst also und keine politische Stellungnahme.

Abb.: Vielfalt-Banner an der Oper Stuttgart im Oktober 2015 © Thomas Koch

Diese Anekdote erzählt Thomas Koch als Beispiel dafür, wie in seinem Haus interne und externe Kommunikation ineinandergreifen. „Wenn wir uns nicht im Inneren so einig gewesen wären, wäre es unmöglich gewesen, in dieser Geschlossenheit nach außen zu kommunizieren“, ist er überzeugt. Die Idee entstand gemeinsam, Mitarbeiter aus allen Bereichen waren beteiligt – denn, so Thomas Koch: Ein stringentes Außenbild braucht eine stimmige Binnenkommunikation.

Gemeinsam das Schiff steuern

Wie aber sieht solch eine Binnenkommunikation aus? Thomas Koch beschreibt sie als einen Prozess, der dem Zusammenspiel der Mannschaft auf einem Segelboot ähnelt: Nur, wenn die Handlungen aller Beteiligten perfekt miteinander verzahnt sind, geht das Boot nicht unter. „Die Voraussetzung ist, dass man den Betrieb oder die Institution als einen Organismus begreift. Am Ende steht die Kommunikation einer einheitlichen Marke nach außen, aber im Inneren finden vielfältige Prozesse statt, die es aufeinander abzustimmen gilt.“

Die unverzichtbare Basis für eine gelingende Kommunikation sind Wertschätzung und Vertrauen. Letzteres ist für Thomas Koch die „Währung“, mit der am Theater gezahlt wird. Dabei liege ein Großteil der Verantwortung auf der Führungsebene: „Die Motivation zur Kommunikation muss von dort kommen. Wir ermuntern unsere Mitarbeiter immer wieder, mit ihren Kollegen in Kontakt zu treten. Denn je mehr man voneinander weiß, desto mehr Vertrauen entsteht.“

Und gefragt nach den Besonderheiten der internen Kommunikation in Kulturbetrieben, antwortet Thomas Koch spontan: Leidenschaft. Sie ist das Kernstück für alles, was man tut – sie gilt es immer wieder herzustellen, auch im Gespräch mit den Kollegen. An der Stuttgarter Oper werden die Mitarbeiter deshalb immer wieder ermutigt, ihrer Fantasie Raum zu geben. „Wenn die Menschen ihre Fantasie lustvoll einbringen können, entsteht Großartiges.“ Ohne dieses Feuer kann selbst bei einer technisch perfekten Premiere kein Funke aufs Publikum überspringen. Routine komme im Kulturbetrieb niemals auf, so Thomas Koch, weil immer wieder neue Menschen, neue Werke und neue Sichtweisen in den Fokus rücken. „Ein Kommunikator im Theater lernt nie aus.“

Kommunikation im „Stuttgarter Modell“

Die Oper Stuttgart ist – neben dem hiesigen Ballett und dem Schauspiel– Teil der Staatstheater Stuttgart. Das Besondere daran ist, dass die drei Kulturbetriebe autonom nebeneinanderstehen. Jede Sparte hat ihren eigenen künstlerischen Intendanten. Daneben gibt es einen geschäftsführenden, jedoch keinen übergeordneten Generalintendanten mehr. Die Staatstheater Stuttgart waren Anfang der 90er Jahre das erste Haus in Deutschland, das auf diesen Posten verzichtete. Daher ist diese Organisationsform als „Stuttgarter Modell“ bekannt geworden. „Unser Profil ist die Diversität“, erklärt Thomas Koch, „aber wir haben eine starke gemeinsame Basis.“

An die Kommunikationsprozesse freilich bedeutet so ein Drei-Sparten-Haus ganz eigene Herausforderungen. Die drei Chefkommunikatoren treffen sich mindestens einmal pro Woche zu Besprechungen. Ein wichtiger Punkt dabei ist, dass sich die drei Betriebe die Technikabteilung, die Werkstätten, die Spielstätten und den Kartenverkauf teilen. „Es ist eine Kunst für sich, alle diese Prozesse zu managen. Hier ist eine genaue Taktung notwendig, auch, um die Besonderheiten einer jeden Sparte hervorzuheben und zu pflegen“, erklärt Thomas Koch. Die Diversität wertzuschätzen und sowohl intern als auch extern zu kommunizieren, ist eine der wesentlichen Herausforderungen des Stuttgarter Modells.

Das wichtigste Instrument der Binnenkommunikation ist … die Kantine.

Teil der gemeinsamen Kommunikation ist das Magazin Reihe 5. Dessen Vorläufer bestand schon vor seiner Zeit als Mischung aus Binnen- und Außenkommunikation, berichtet Thomas Koch – was zur Folge hatte, dass keiner der beiden Leserkreise sich wirklich angesprochen fühlte. Deshalb ließen die Häuser 2015 das Magazin komplette relaunchen. „Es ist ein echtes Drei-Sparten-Heft geworden, das jetzt jedoch ausschließlich für die externe Kommunikation genutzt wird.“

Für die interne Kommunikation nutzen Thomas Koch und seine Kollegen andere Instrumente. Vor allem das Intranet dient den 1350 Mitarbeitern als Informationsquelle: Hier finden sich Dienstpläne ebenso wie Termine für die Rentenberatung, Gesundheitstipps, Rezepte, Mitarbeiter-Karten für die Vorstellungen oder Wohnungsangebote. Betreut wird es vom Zentralbereich, der zusammen mit den künstlerischen Sparten den Input dafür liefert.

Aber noch ein anderes Element spielt eine Schlüsselrolle für die interne Kommunikation an der Oper Stuttgart: die Kantine. „Man sollte die Bedeutung dieses Raumes für den innerbetrieblichen Austausch nicht unterschätzen“, ist Thomas Koch überzeugt. Schließlich treffen sich dort alle Gewerke zu mehr oder weniger festen Zeiten. Man verbringt Zeit dort, kommt dabei in Kontakt. „Informelle Gespräche oder Ad-hoc-Besprechungen finden bei uns fast immer in der Kantine statt.“ Den Mitarbeitern einen solchen Gemeinschaftsraum zur Verfügung zu stellen, ist für Thomas Koch eine wesentliche Voraussetzung für einen lebendigen internen Austausch.

Klippen im Kommunikationsmeer

Selbstverständlich herrscht in Kulturbetrieben nicht immer eitel Sonnenschein. Im Meer der Binnenkommunikation gilt es – um zu dem nautischen Bild vom Anfang zurückzukehren – so manche Klippe zu umschiffen, um Missverständnissen und -stimmungen vorzubeugen. Für Thomas Koch ist die Schnittstelle zwischen der künstlerischen Arbeit und deren Vermittlung jene, an der Gefahren lauern. „Für den Künstler ist seine Arbeit etwas Existenzielles. In seinem Inneren laufen komplexe Prozesse ab, manchmal auch Kämpfe. Er arbeitet in einem speziellen Spannungsfeld aus Intuition und Ratio. Wer das vermitteln soll, ganz gleich ob intern oder nach außen, transportiert nicht weniger als einen Teil der Künstlerexistenz.“ Folglich, so Koch, entstehen hier immer wieder Reibungspunkte und Konflikte. „Es gilt, auch im internen Dialog mit den Technikern und anderen Gewerken, die Ideen des Künstlers zu vermitteln, ohne dabei die Kunst zu verraten.“

Thomas Koch rät Kommunikatoren deshalb, den gesamten künstlerischen Prozess intensiv zu begleiten, beispielsweise regelmäßig die Proben zu besuchen. „Als Kommunikator muss ich den szenischen und den musikalischen Kern begreifen, die Atmosphäre schmecken und Entwicklungen nachvollziehen. Es geht immer um Inhalte. Nur dann kann ich das Werk im Außen verstehbar machen und den Funken weitergeben.“

Und wenn es mal klemmt? „Niemals aufgeben, immer das Gespräch suchen“, so lautet Thomas Kochs Tipp für schwierige Situationen. Außerdem kommt es darauf an, Konflikte nicht persönlich zu nehmen. Anstatt die Schuldfrage zu stellen, sollten die Beteiligten sich den Respekt für die Sicht des anderen bewahren – und das eigene Kommunikationsverhalten überdenken. „Außerdem muss nicht jeder Konflikt bis ins Letzte ausgelebt werden“, erklärt der Kommunikationsexperte weiter. „Bestimmte Prozesse benötigen einen Konsens, aber manches darf auch im Spannungsfeld bleiben. Eine solche Binnenspannung auszuhalten, kann durchaus fruchtbar sein.“

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Juliane Moghimi
31.07.2017, Julia Jakob
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